Rohkost soll nicht nur sehr gesund, sondern auch gut für eine schlanke Linie sein. Bei der Version der australischen Youtuberin „Freelee The Banana Girl“ wird bis vier Uhr nachmittags nur Rohes gegessen. Die Effekte sollen gute Laune, Bewegungsdrang und schließlich eine Traum-Silhouette sein. Und das obwohl abends sogar Pasta erlaubt ist und es kein Kalorienlimit gibt. Aber ist das wirklich gesund?

WAS IST RAW TILL FOUR?

Bei „Raw Till Four“ handelt es sich um eine Ernährungsform, bei der man bis vier Uhr nachmittags nur Rohkost zu sich nimmt. Sie ist vegan, fettarm und kohlenhydratreich. Die Australierin und Youtuberin „Freelee The Banana Girl“ machte den Trend bekannt und bezwang damit angeblich sogar ihre Essstörungen (Magersucht und Bulimie). Sie ist der Meinung, dass sich mit einer veganen Rohkosternährung allgemein viele gesundheitliche Probleme beheben lassen. Bekannt wurde sie vor allem mit ihrem viralen Youtube-Video, in dem sie zeigt, wie sie an einem Tag 51 Bananen isst beziehungsweise in Smoothie-Form zu sich nimmt. „Raw Till Four“ soll jedoch ein alltagstaugliches Konzept sein. Dabei spielt die Verteilung der Makronährstoffe eine wichtige Rolle: 80 Prozent der Kalorien sollen aus Kohlenhydraten kommen und jeweils 10 Prozent aus Fetten und Proteinen. Das sei wiederum die Verteilung in vielen pflanzlichen Lebensmitteln wie Obst, Gemüse und Getreide und optimal verdaubar.

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WIE SIEHT RAW TILL FOUR IN DER PRAXIS AUS?

Zum Frühstück und Mittagessen gibt es Smoothies oder frisches Obst und rohes Gemüse in Bio-Qualität und zwar gerne kiloweise. Nicht ohne Grund, denn jede Mahlzeit (!) soll bis zu 1000 Kalorien liefern. Freelee isst gerne mal 10-15 Birnen oder vier Kilo Orangen pro Mahlzeit oder mixt sich auch gerne mal 10 Bananen mit einem halben Liter Wasser zu einem kalorienreichen Drink. Die gute Nachricht: Ab 16 Uhr gibt es etwas Abwechslung. Da stehen dann zum Beispiel Kartoffeln, Wurzelgemüse, Reis oder glutenfreie Pasta auf dem Speisezettel. Absolute No Gos bei „Raw Till Four“ sind Hülsenfrüchte wie Kichererbsen, Linsen und Bohnen, Fett (außer in Form von Nüssen und Saaten) und eigentlich alles, was nicht vegan ist. Auch Salz soll nur sparsam konsumiert werden.

Wenn man dann noch vier Liter Wasser trinkt und Ausdauersport (Walken, Joggen, Radfahren) treibt, wird man nicht nur mit einem Traumbody, sondern auf lange Sicht angeblich mit allgemeiner Gesundheit, Fitness und mehr Energie belohnt. Die Ernährung klingt für uns Normalos auf jeden Fall sehr extrem. Außerdem stellt sich bei dem oben beschriebenen Ernährungsverhalten doch die Frage, ob das wirklich so gut für den Körper (mal abgesehen vom Gemüt) sein kann?

IST RAW TILL FOUR GESUND?

Die Abbruchquote bei dieser Diät ist extrem hoch! Vor allem weil es einfach keinen Spaß macht, kiloweise Obst zu futtern. Schafft man das jedoch nicht, fehlen einem Kalorien und man wird schnell müde. Auf der anderen Seite können so große Mengen Rohkost zu Völlegefühl und Blähungen führen. Besonders offensichtlich ist natürlich, dass die Diät nicht wirklich abwechslungsreich ist. Zwar gibt es unzählige verschiedene Obst- und Gemüsesorten, dennoch setzt „Raw Till Four“ für einen maximalen Erfolg auf sogenannte Monomeals. So soll eine Mahlzeit nur aus einer Sorte Obst oder Gemüse bestehen.

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Außerdem wird der Körper quasi mit Fruchtzucker bombardiert und der ist eben auch in dieser Form für den Körper in großen Mengen schädlich. Im worst case droht eine Mangelernährung, denn Eiweiß – ob tierisches (Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte) oder pflanzliches (Tofu, Hülsenfrüchte, Nüsse) wird bei „Raw Till Four“ fast komplett ausgeklammert, beziehungsweise nicht in der nötigen Menge berücksichtigt. Dieser Nährstoff ist allerdings extrem wichtig für die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit – vor allem wenn auch noch das intensive Sportprogramm vorausgesetzt wird. Denn für eine durchtrainierte Figur ist Eiweiß beim Muskelaufbau nötig, und zwar spezielle Aminosäuren, die der Körper ausschließlich über die Nahrung bekommt. Außerdem können ohne ausreichend Eiweiß die Knochen brüchig werden und man wird anfällig für Infekte, weil das Immunsystem nicht mehr stark genug ist.

FAZIT

In einer abgespeckten Variante mag „Raw Till Four“ sicherlich praktikabel und durchaus erfolgsversprechend sein – schließlich spricht nichts gegen frisches Obst und Gemüse und Rohkost allgemein. Für die Motivation sind aber vor allem die Monomeals eine Herausforderung. Hier ist die Light-Variante, die eine Kombination mehrerer Sorten Obst und Gemüse zulässt, praktikabler. Außerdem ist es schwierig, als Laie die Nährstoffe im Auge zu behalten und bezüglich einer Gewichtsabnahme scheint der Jojo-Effekt bei einer Änderung der Gewohnheiten auch vorprogrammiert. Tipp: Wir schauen uns lieber die Youtube-Videos an und staunen aus der Ferne, denn die haben durchaus Unterhaltungswert.

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