Wir Menschen sind soziale Wesen und auf die Interaktion mit Anderen angewiesen. Gleichzeitig ist es manchmal sogar unverzichtbar, sich zurückzuziehen und bewusst Zeit allein zu verbringen, um an der wichtigsten Beziehung überhaupt zu arbeiten: Der mit sich selbst.

WARUM VIELEN DAS ALLEINSEIN SCHWERFÄLLT

Viele Menschen setzen Alleinsein mit Einsamkeit gleich – ein vermeintlich bemitleidenswerter Zustand. Ein Vorurteil, das durch gesellschaftliche Konventionen und die Medien kreiert und befruchtet wird. Allein zum Dinner oder ins Kino zu gehen, ist für viele undenkbar. Was werden die anderen denken? Gerade in den sozialen Medien wird uns außerdem unterbewusst transportiert, dass man irgendwas falsch macht, wenn man keinen riesigen Freundeskreis hat, die „Squad“, „die Crew“ etc. Neben dem sozialen Druck spielt aber auch ein anderer psychologischer Faktor eine Rolle: Ohne Gesellschaft muss man sich mit sich selbst beschäftigen und ja, dass kann einen auch überfordern oder Angst machen. Doch die Benefits des „kontrollierten Rückzugs“ sind umso wertvoller!

Woman having a french breakfast at the cafe

©RossHelen/iStock

RICHTIG ALLEINSEIN: DIE UMSTÄNDE MÜSSEN STIMMEN

Alleinsein kann angenehm sein, wenn man den Zustand freiwillig gewählt hat. Psychologie-Professor Kenneth Rubin von der amerikanischen Carleton University nennt zudem folgende Aspekte, um das Alleinsein als Chance nutzen zu können: Wir müssen in der Lage sein, jederzeit wieder soziale Beziehungen einzugehen und wir müssen über ein gewisses Maß an Kontrolle und Reflektionsfähigkeit verfügen, um mit auftretenden Emotionen umgehen zu können. Sind diese Bedingungen erfüllt, kann das Alleinsein tolle Effekte haben: Man ist frei von Erwartungen und kann sich selbst, die eigenen Wünsche und Ziele besser erforschen. Oft ist die Umgebung nämlich so laut (im sprichwörtlichen und tatsächlichen Sinne), dass wir unsere eigene Stimme nicht mehr hören und nur damit beschäftigt sind, andere glücklich zu machen.

ZEIT MIT SICH SELBST BRINGT NEUE PERSPEKTIVEN

Das Alleinsein bietet also die Chance, die eigenen Ziele und Erwartungen herauszudestillieren, neue Selbstsicherheit zu erleben, Erfüllung, Freiheit und den eigenen Fokus zu finden. Abgesehen vom philosophischen Ansatz hat der Rückzug auch praktische Vorteile. Vielleicht kennt ihr es vom Arbeiten im Homeoffice: Ohne die Kollegen und ständige Ablenkung ist man konzentrierter und fokussierter. Dieser Effekt lässt sich noch steigern, in dem man auch mal das Smartphone aus der Hand legt, denn auch hier wird ja ständig soziale Interaktion gefordert. Übrigens hat das Alleinsein nicht nur auf introvertierte, sondern auch auf extrovertierte Menschen gleichermaßen einen positiven Effekt. Wissenschaftler setzen den Effekt des Alleinseins daher sogar bei Stresspatienten ein.

Woman bathing at the retro bathroom

©RossHelen/iStock

TIPPS FÜR DEN ANFANG

Natürlich kann es gerade für viel beschäftigte und gesellige Menschen am Anfang ungewohnt sein, Zeit allein zu verbringen. Wichtig ist dabei auch, ehrlich zu Familie und Freunden sein. Sie werden Verständnis haben, wenn du sagst: „Ich brauche gerade etwas Zeit für mich.“ Die englischsprachigen Länder haben dafür sogar den festen Begriff „Me Time“. Beginne zum Beispiel mit einem Besuch im Café, setze dich auf eine Parkbank und lese oder beobachte nur Menschen. Auch Sport ist eine tolle Möglichkeit, alleine Zeit zu verbringen. Danach kann man sich auch an „knifflige“ Situationen wagen wie einen Besuch im Kino oder das Abendessen im Restaurant. Und wieso eigentlich nicht mal allein in den Club gehen? Du wirst merken, dass dich niemand verurteilt und es trotzdem Spaß machen kann. Denn tatsächlich bedeutet Alleinsein nicht Einsamkeit, sondern Zeit mit sich selbst zu verbringen und das Tolle am gewollten Rückzug ist: Man kann einfach selbst entscheiden, wann man wieder Gesellschaft möchte.

How to Be Alone
  • Tanya Davis, Andrea Dorfman
  • Herausgeber: Harper
  • Gebundene Ausgabe: 128 Seiten

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