Allein bei dem Namen zieht sich in mir unweigerlich alles zusammen: Die sogenannten Tradwives bevorzugen es, eine unterwürfige Rolle in der Ehe zu übernehmen. Einzig Kinder, Hausarbeit und das Wohl des Mannes sehen sie als Erfüllung und opfern dafür bereitwillig ihre Selbstbestimmung und eigene Karriere. In den USA ist die Community riesig und das wirft die Frage auf: Ist das nun freie Lebensgestaltung oder gefährlicher Rückschritt für die Gesellschaft?

WAS SIND TRADWIVES?

Trad Wife ist die Kurzform von traditonal wife, also „traditionelle Ehefrau“. Sie steht für eine Frau, die ihr Leben gänzlich Ihren häuslichen Tugenden und Pflichten widmet und gerne in die Rolle der fürsorglichen Haus- und Ehefrau schlüpft. Soweit, so unproblematisch. Schließlich ist das Schöne an einer emanzipierten Welt, dass jede Frau das machen darf, was sie glücklich macht, oder? So argumentieren auch die Trad Wifes selbst gegenüber Kritikern. Warum das Lebensmodell aber nicht nur skurril, sondern auch problematisch ist, wird spätestens dann klar, wenn man etwas tiefer in das Trad Wifes Universum eintaucht.

 

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TRADWIVES: MEHR ALS NUR HARMLOSE NOSTALGIE-LIEBE

Während es sicherlich auch Anhängerinnen der Bewegung gibt, die nur aus einem gewissen Nostalgiegefühl in ein längst vergangenes Rollenbild flüchten, sieht der Großteil dieses als Lebensaufgabe und scheint auch einer Art Missionarsfunktion nachzukommen. Über Social Media lassen sich neue Anhängerinnen gut mobilisieren, denn dort präsentieren die perfekten Hausfrauen unter dem Hashtag #tradwives ihre heile Welt, und die kann natürlich durchaus etwas Anziehendes haben.

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Sich im Petticoat dem Kuchenbacken und der Kinderbetreuung zu widmen kann reizvoller wirken, als einem stressigen 40h-Job nachzugehen und als Mutter oft mit einem permanenten Schuldkomplex zu leben. Die Vereinbarkeit von Mutterschaft und Beruf stellt sich für die Tradwives praktischerweise gar nicht, denn letzteres kommt in ihrem Lebensentwurf nicht vor. Aller Fragwürdigkeit zum Trotz ist die Bewegung somit auch eine Antwort auf die stetige Frage nach Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die bei aller Gleichberechtigung für viele Frauen immer noch schwierig zu balancieren ist. Die Sehnsucht nach Sicherheit und Frieden sind weitere Faktoren, die das Trad Wifes Universum zumindest bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar machen.

DER PREIS FÜR DAS SKURRILE ROLLENSPIEL: WIRTSCHAFTLICHE ABHÄNGIGKEIT VOM MANN

Ein großer Knackpunkt: Die Basis für das Dasein als Trad Wife ist per Definition nicht nur ein Ehemann, sondern noch dazu einer, der genug für Zwei (beziehungsweise die ganze Familie) verdient. Sonst funktioniert das ganze nostalgische Konstrukt nicht. Die wirtschaftliche Abhängigkeit ist der Preis, den die Ladies gerne für ihre traditionelle Blase bezahlen. Wenn Sie Glück haben, können Sie sich immerhin zur Influencerin mausern und Bücher und Videos über ihr vermeintlich perfektes Leben vermarkten. Generell wirkt die ganze Inszenierung als Hausfrau aus den Fünfzigerjahren (in der damals schon idealisierten Form aus der Werbung) mehr wie ein Rollenspiel.

 

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Das Problem ist nur, dass sie dieses nicht in ihren eigenen vier Wänden ausleben, sondern es stolz nach außen tragen und neben harmlosen hübschen Fotos auch eine Rückkehr zu alten Mustern propagieren: Die wirtschaftliche Abhängigkeit vom Ehemann und das Dasein als Mutter und Hausfrau als einziges erklärtes Lebensziel. Und wir haben wirklich hart genug gekämpft, um daran etwas zu ändern. Die Trad Wifes sind sicherlich nicht das größte Problem der modernen Welt, aber sie sollten doch zumindest stark kritisch hinterfragt werden. Ich persönlich hoffe, dass die Community keine weltweite Bewegung wird und wir stattdessen weiter für ein starkes und zeitgemäßes Frauenbild kämpfen. Das geht auch im Petticoat!

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Keine Lust auf Putzen, Waschen und Kochen? Vielleicht fehlt dir das „Hausfrauen-Gen“? Bitte nicht noch ein weiteres Shirt mit Girlpower-Schriftzug. Hört endlich auf, Feminismus als Mode- und Lifestyletrend zu verkaufen. Die Kardashians sind für viele ein abschreckendes Beispiel moderner Frauen. Aber tun wir dem geschäftstüchtigen Medien-Clan vielleicht Unrecht?

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