Es steht völlig außer Frage, dass gerade wir Frauen uns gegenseitig unterstützen und für die eigenen Rechte stark machen sollten. Doch während es positiv ist, dass Gleichberechtigung und Chancengleichheit aktuell mehr denn je im Fokus stehen, hat diese Entwicklung auch zu einem sehr fragwürdigen Phänomen geführt: Feminismus als Trend!

EIN SHIRT FÜR 600 € SOLL SYMBOL FÜR FEMININUS SEIN?

„We should all be feminists“ ließ Maria Grazia Chiuri, Chefdesignerin von Dior 2017 auf ein T-Shirt drucken und die Models damit über den Laufsteg stolzieren. Zustimmendes Nicken in der Front Row und die Adeligung durch Stars und Influencer machten das Basic schnell zum Verkaufsschlager – und das bei einem Preis von umgerechnet 600 €! Ein Teil des Erlöses ging wenigstens an Rihannas Non-Profit Organisation The Clara Lionel Foundation, die arme Bevölkerungsgruppen unter anderem in den Bereichen Bildung und Gesundheitswesen unterstützt.

Für mich war dieses Modell eines der ersten, das ich mit einem Wording dieser Art bewusst wahrnahm und damit auch ein Symbol für eine Entwicklung, die ich persönlich sehr fragwürdig finde. Eine ursprünglich gute Idee (Flagge zeigen und die Macht der Mode für eine Botschaft nutzen) wurde zu etwas degradiert: Einem Trend. Ich muss da unwillkürlich an den Hype um Bandshirts denken. Plötzlich trug Kendall Jenner ein Slayer-Shirt oder Blondinen aus Malibu ein Modell mit Nirvana, obwohl sie das Wort höchstens von ihrem Yoga-Kurs kannten.

Doch während dieses schicke Feminismus-Wording von Dior zwar sehr stark ist und als Imperativ keine Zweifel daran lässt,WAS wir sein sollten, bleibt doch die Frage offen, WIE wir das sein sollen: Was ist eigentlich eine Feministin? Ich maße mir nicht an, das zu beantworten, gerade weil es so eine individuelle Frage ist. Aber ein Luxus-Shirt für einen völlig überteuerten Preis zu kaufen, um Teil einer Bewegung zu sein, wirkt für mich persönlich eher wie das Gegenteil einer starken, unabhängigen und selbstbestimmten Frau.

girl power leuchtschrift

©NKTN/iStock

WENN AUS IDEALISMUS KOMMERZ WIRD

Ich werde fast ein bisschen wütend, weil es Marken schaffen, ein Mindset und eine aktuell wichtige Diskussion für ihre kommerziellen Zwecke auszunutzen. Sicherlich, einige Marken haben ihre Modelle wie Dior noch an einen guten Zweck gekoppelt – Wobei das natürlich auch immer gut für das Image ist. Einige Labels wollen auch wirklich etwas bewegen und sehen Mode als einen der vielen Kommunikationskanäle, doch bei den meisten stehen meiner Meinung nach vor allem die eigenen, wirtschaftlichen Interessen im Vordergrund. Wenn Shirts und Accessoires mit „We should all be feminists“ „GRLPWR“ oder „Girlboss“ dann also ganz normal neben „Let’s taco about it“, Mickey Maus und Co. hängen, wie soll gerade die junge Generation verstehen, dass das eben nicht nur ein weiterer Modetrend ist? Die Mode-Maschinerie läuft anders: „Chiara Ferragni oder Stefanie Giesinger tragen sowas, also will ich das auch!“. Eine Reflektion oder gar Diskussion findet wahrscheinlich eher selten statt. Daher mag der Beginn zwar ehrenhaft gewesen sein, treibt meiner Meinung nach aber inzwischen schlimme Blüten. Und seit wann brauchen Feministinnen und starke Frauen überhaupt ein T-Shirt, um zu zeigen, was sie sind? Taten sind hier das Entscheidende und zwar von Männern und Frauen gleichermaßen! Das passende Shirt habe ich vor Kurzem übrigens auch schon entdeckt. Darauf stand: „We should all be humans“.

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