Es gibt Begriffe, die schnell von der Fitnessbranche in den allgemeinen Sprachgebrauch übergehen. Kaum jemand, der sich körperbewusst ernährt und Sport treibt, legt ihn nicht regelmäßig ein: Den sogenannten „Cheat Day“. An diesem einen Tag darf man sozusagen seine Ernährungsweise betrügen und richtig schlemmen. Vom Prinzip gut und nachvollziehbar, aber der Umgang mit dieser Fitness-Vokabel ist auch problematisch. Muss man sich Fast Food und Co. wirklich „verdienen“?

CHEAT DAY: WENN BELOHNUNG ZUR RELIGION WIRD

Dass Belohnungen der Motivator Nr. 1 sind, wissen wir nicht erst seit dem Pawlowschen Hundeexperiment und dem nach ihm benannten Reflex. Gerade in Zusammenhang mit kulinarischem Verzicht und Disziplin ist es daher nur logisch, dass man sich gerne einen leckeren Silberstreifen am Horizont malt. Etwas, auf das man sich beim Schwitzen im Gym und während der Entbehrungen freuen kann. Denn 24/7 nur Smoothies trinken und sich fettfrei, zuckerfrei und spaßfrei ernähren kann vielleicht ein Hollywoodstar – und selbst die haben die Belohnung mit einem Cheat Day kultiviert. An diesem einen Tag darf man sich also die Pommes, Burger, Pizza, Eiscreme und Co., reinziehen, von denen man vielleicht an den anderen Tagen fantasiert hat. Bei anderen fällt der Cheat Day aber auch gemäßigter aus: Einfach ein schöner Latte Macchiato MIT Zucker – #foodheaven #happy #balance. So weit so gut. Doch ich persönlich finde den Begriff und die Kommunikation im Zusammenhang damit problematisch: Der Cheat Day (to cheat = Englisch: betrügen, hintergehen) impliziert, dass ich irgendwen oder etwas betrüge, wenn ich mir dieses oder jenes gönne. Also statt zur Belohnung wird das Ganze eigentlich eher zur Food-Sünde, die man sich erlauben darf und zwar nur unter bestimmten Bedingungen. Viele Fitness-Fans schreiben dann auch gerne: Das habe ich mir verdient!

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©RossHelen/iStock

WIR MÜSSEN UNS POMMES UND BURGER NICHT „VERDIENEN“!

Habe ich etwas verpasst, oder gibt es ein Punkte-System, nachdem ich mir bestimmte Lebensmittel „verdienen“ muss? Mir ist die Logik dahinter schon klar: Ich habe beim Sport geschwitzt und meinem Körper etwa Gutes getan also darf ich ihm jetzt dieses böse, schlechte Essen zumuten. Diese Rechtfertigung ist für mich absoluter Nonsens, denn das hieße ja im Umkehrschluss (natürlich auf die Spitze getrieben), dass Menschen, die keinen Sport machen nie Fast Food oder Süßigkeiten essen dürfen. Sie haben es sich schlicht nicht verdient! Es soll nicht darum gehen, den Begriff auf die Goldwaage zu legen. Wenn jemand einen Cheat Day braucht, um sich zu motivieren und das auch so nennen will, soll er das gerne machen. Was ich in Zeiten von Social Media inklusive fragwürdigen Vorbildern mit Photoshop Dauer-Abo allerdings problematisch finde, ist die Kommunikation nach außen: Formulierungen wie „Verdien dir deine Pizza/ deinen Burger“, „Earn it“ oder „Die Kalorien muss ich im Gym wieder abtrainieren“ implizieren, dass wir eigentlich eine ständige Bilanz führen müssen. Kaum Platz für Spontanität oder gar Menschen, die vielleicht aus gesundheitlichen Gründen keinen Sport machen können. Diese Mentalität kommt natürlich auch ein Stück von unserer Leistungsgesellschaft und das kaum etwas um seiner selbst willen gemacht wird. Doch genau das sollte es eigentlich sein: Sport machen, um gesund zu sein und sich wohlzufühlen und nicht um der nächsten „Essenssünde“ vorzubeugen. Pommes, Pizza und Co. schmecken sowieso pur am besten: Ohne schlechtes Gewissen!

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