Die Sprache hat enorme Macht und darf nicht unterschätzt werden. In aktuellen Feminismus-Diskussionen entwickeln sich diesbezüglich allerdings Auswüchse, bei denen man sich als Frau schon fragt: Ist das jetzt noch sinnvoll? Im Netz wurden zuletzt zum Beispiel Stimmen laut, dass wir doch bitte den Begriff „Mädelsabend“ abschaffen sollten, weil wir schließlich erwachsene Frauen sind. Ich bin dagegen!

DIE FORDERUNG: WIR SIND KEINE MÄDELS, SONDERN FRAUEN!

Ich glaube fast jede Frau hat auf ihrem Handy Gruppen mi dem Namen „Mädelsabend“ oder verabredet sich zu selbigem regelmäßig mit ihren Freundinnen. Bis vor Kurzem hat sich auch niemand daran gestört. Doch dann das: Im Internet las ich vor Kurzem einen Artikel, in der wir Frauen aufgefordert wurden, diesen Begriff doch bitte zu verbannen, weil wir ja schließlich erwachsen sind. Eine Formulierung in den Kommentarspalten war zum Beispiel auch sinngemäß „Ich möchte mich als erwachsene Frau nicht auf den Schulhof zurück befördern lassen.“ Da musste ich erstmal lachen, bis ich merkte, dass diese Geschlechtsgenossinnen das tatsächlich ernst meinten und diese Meinung auch mit Eifer und Ernsthaftigkeit vertraten. Ich kann die Problematik zumindest ansatzweise nachvollziehen: Mädel ist eben umgangssprachlich mit Mädchen gleichgesetzt, also eine noch nicht erwachsene Frau, ein Kind. Dennoch war es mir völlig schleierhaft, wie man so etwas zur Diskussion machen konnte.

freundinnen im bett

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JEDE FRAU SOLLTE SICH DOCH BITTE SO NENNEN DÜRFEN, WIE SIE WILL

Dieses Thema zeigte mir nur erneut ein Paradoxon der Feminismus-Debatte auf: Nämlich, dass man so darauf beharrt, wie wir uns als Frauen zu verhalten und in dem Fall zu bezeichnen haben, dass damit die Grundidee einer freien, selbstbestimmten Frau ironischerweise torpediert wird. Das heißt, wenn ich und meine Freundinnen einen „Mädelsabend“ machen wollen oder wir sagen „Ich treffe mich mit meinen Mädels.“, dann ist das Ausdruck von Freundschaft, emotionaler Nähe und eine liebevolle Geste und sollte doch bitte nicht als bedrohliche Vokabel für das Verständnis einer emanzipierten Frau gewertet werden. Der Knackpunkt ist für mich dabei auch ein bisschen, wer den Ausdruck wie benutzt. Würde mein Chef zu mir und meinen Kolleginnen sagen: „Also Mädels, wir machen das jetzt so!“, hat das schon einen anderen Geschmack und kann je nach Tonus und Auftreten durchaus herabwürdigend wirken. Auch Sprüche wie „Mädels, kommt mal runter!“ von Herren der Schöpfung fallen in diese Kategorie. Hinsichtlich des Mädelsabends mangelt es übrigens auch an passenden Alternativen: Frauenabend oder Damenabend klingt ja wohl absolut furchtbar und übrigens habe ich auch kein Problem mit girlpower anstatt womanpower. Abschließend: Der Jungsabend ist das Pendant und ich glaube kein Mann würde auf die Idee kommen, sich bei diesem Begriff herabgesetzt zu fühlen. In meinem Empfinden ist diese Diskussion also völliger Schwachsinn und ein weiterer Beleg dafür, dass es uns entgegen der weit verbreiteten Meinung in manchen Belangen doch einfach zu gut geht. Aber vielleicht bespreche ich das in Ruhe beim nächsten Mädelsabend.

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Apropos Feminismus: Inzwischen wird jedes zweite Shirt von Sprüchen für Empowerment und Co. geziert, was in den meisten Fällen mehr Kommerz als Idealismus ist. „The Bachelor“ ist eine besonders beliebte Sendung für einen Mädelsabend. Aber während lästern vor dem Fernseher Spaß macht, muss man sich schon fragen: Warum macht man da als Kandidatin mit? Der perfekte Drink für den nächsten Mädelsabend: Tiffany Mimoas sehen stylish aus und schmecken lecker!

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