Es gibt TV-Formate, die sich jedes Jahr in ihrer Fragwürdigkeit übertreffen. Während „Trash-TV“ als stille Beobachterin von außen ganz unterhaltsam sein kann, drängt sich doch die Frage auf: Wieso tut man sich so etwas als Kandidatin an? Auf den ersten Blick ist die Show „The Bachelor“ eine reine Ansammlung von mediengeilen Mittzwanzigern und eine Schande für die emanzipierte Frau. Oder machen wir es uns mit so einer Verurteilung zu einfach?

ZWISCHEN FREMDSCHAM UND RATLOSIGKEIT: DIE MITTWOCHABENDE SIND MANCHMAL HART

Ich stehe dazu, dass ich mir gerne Sendungen wie „The Bachelor“ anschaue und obwohl ich dafür meistens nur ein Naserümpfen ernte, stelle ich im Gespräch auch oft fest: Viele intelligente und ja sehr wohl moderne, emanzipierte Frauen tun es mir gleich. Bei der Frage nach dem Warum kann ich nur sagen: Weil es leichte Kost ist und Trash-TV nun mal einfach so schön unterhaltsam sein kann. Für zwei Stunden den Kopf ausschalten und in einen Mix aus Batida de Coco Dauerwebesendung, Zickenkrieg und utopischen Szenerien für Dates eintauchen – Mich entspannt das. Doch was als Zuschauerin aus sicherer Entfernung lustig ist, wäre für mich als Kandidatin undenkbar. Während ich beobachte, wie sich dort erwachsene Frauen einen Wettkampf um den „Bätscheler“ liefern, frage ich mich schon: Warum macht man da als Frau mit? Allein mein Stolz würde es mir verbieten, auf einem Gruppendate mit anderen Frauen um einen Typen zu buhlen – und wenn es Chris Hemsworth höchstpersönlich wäre. Die naheliegendste und leider auch meistens richtige Antwort ist natürlich die Suche nach Ruhm, für den erschreckend viele Frauen bereit sind, einen hohen Preis zu zahlen. Einige Ex-Kandidatinnen haben es vorgemacht: Mit der richtigen Strategie kann man sich die Teilnahme im Nachgang vergolden und zwar auch ohne als Siegerin aus der Staffel hervorgegangen zu sein. Neben „Instagram Fame“ locken Folge-Angebote wie „Bachelor in Paradise“, die Königin des Trash-TV „Ich bin ein Star, holt‘ mich hier raus“ oder auch der lukrative Playboy-Deal – Hier sprechen wir je nach Verhandlungsgeschick und findigem Manager oft von fünfstelligen Beträgen. Natürlich werden die Frauen dennoch nicht müde, bei jeder Gelegenheit zu betonen, dass es ihnen um die „wahre Liebe“ geht. Aber muss man die wirklich vor der Kamera suchen und sich dabei in oft menschenunwürdigen Situationen filmen und wie ein Harem in einer Villa halten lassen? Als Marionette des TV-Senders, der für die Quote an den Fäden zieht und im Schnittraum ganz einfach eigene Dramen kreieren kann, ohne dass man als Kandidatin darüber irgendeine Kontrolle hat?

 

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SIND ALLE KANDIDATINNEN BEIM BACHELOR EINE SCHANDE FÜR DIE EMANZIPATION?

Während ich vor Kurzem wieder eine Folge beobachtete, bei der sich „die Ladies“ im Bikini vor laufender Kamera anzickten (Es ging um ein Handtuch, das eine Kandidatin der anderen geklaut hatte) fragte ich mich: Ist das eine Schande für die Emanzipation oder vielleicht genau das Gegenteil?
Natürlich ist es leicht, alle Frauen in den Topf „dumm, mediengeil und unemanzipiert“ zu werfen, während man auf der heimischen Couch fläzt. Doch eigentlich kennzeichnet eine emanzipierte Frau doch vor allem das: Dass sie frei und unbestimmt entscheidet, was sie trägt, sagt und tut – Und wenn es ihr Wunsch ist, sich mit Geschlechtsgenossinnen in einem Mix aus nie enden wollender Glitzer-Materialschlacht, Klischee-Hölle und Dauerwerbesendung in einer Urlaubskulisse zu bekriegen, dann ist das doch eigentlich ihr gutes Recht oder? Mit Sicherheit würde ich die Sendung meiner Tochter nicht ans Herz legen, wenn es um die Suche nach dem potenziellen Traummann geht. Die Bilanz der vergangenen Sendungen gibt mir da ja Recht, denn bisher hat keines der Paare es geschafft, die Beziehung langfristig in die Realität zu retten. Nach einigen Auftritten bei roten Teppichen für Lebkuchen-Lambertz und Co. war meistens Schluss.

 

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Den Kandidatinnen, die das Format also wirklich für eine realistische Möglichkeit halten, ihren Traummann zu finden und gleichzeitig ihre Würde zu wahren kann ich nur sagen: Denk‘ nochmal genau über dich und deinen Selbstwert nach, bevor du dir vor einer Filmcrew die Zunge in den Hals stecken lässt. Vor der Suche nach der „großen Liebe“ sollten diese Damen zunächst die Liebe zu sich selbst finden.
Und zu den anderen, die so eine Sendung nur aus Kalkül besuchen: Wenn dich Instagram-Fans und Diskotheken-Besuche glücklich machen, go for it! Aber wirklich erstrebenswert ist so ein Verhalten nicht und der Ruhm, der nach „The Bachelor“ kommt, hält in den meisten Fällen kaum länger als die Rose, die der Protagonist melodramatisch verteilt.

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Gibt es die wahren Gentlemen nur noch im Film und Fernsehen oder hat auch die Realität noch Platz für gute Manieren? Das Sneating wäre bestimmt auch für einige Bachelor-Kandidatinnen eine Option, denn bei dieser fiesen Dating-Masche geht es nur darum, sich ein Dinner zu erschleichen. Dann vielleicht doch lieber gleich alleine bleiben, um an der Beziehung mit sich selbst zu arbeiten.

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