„Der Bachelor“, „Die Bachelorette“, „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ und Co. sind nur einige der Formate, die in die Kategorie des sogenannten Trash-TV fallen. Eigentlich medialer Müll, dem sich ein kultivierter und halbwegs intelligenter Mensch nie freiwillig aussetzen würde, oder? Trotzdem sind die Sendungen erfolgreich und erzielen hohe Einschaltquoten. Als bekennende Trash-TV Liebhaberin glaube ich zu wissen, warum.

ABSCHRECKEND ODER FASZINIEREND? DIE INSZENIERTE TV-WELT POLARISIERT

Eine Riege aus Männern oder Frauen kämpft um das Objekt der Begierde. Aussortiert wird wöchentlich mit einer dramatisch inszenierten Zeremonie und der symbolischen Rosenübergabe. Die Sendungen „Der Bachelor“ und „Die Bachelorette“ sind für viele das Paradebeispiel für Trash-TV, gleich nach „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“. Sendungen, die niemand braucht und die nur zur Profilierung von aufstrebenden Möchtegern-Sternchen oder zur vermeintlichen Belebung von brachliegenden Promi-Karrieren genutzt werden. Entwürdigend, eine Beleidigung für die emanzipierte Frau, sexistisch, niveau- und geschmacklos, peinlich – all das sind Attribute, die man diesen Sendungen zuschreibt und die meiner Meinung nach gleichzeitig eben auch deren Reiz ausmachen.

WER DAS SCHAUT, MUSS DOCH BLÖD SEIN, ODER?

Während meines Studiums der Medienwissenschaften konnte ich ja wenigstens noch sagen, ich muss diese Formate „aus wissenschaftlichen Gründen“ anschauen. Doch selbst damals haben wir – eine Gruppe von jungen, intelligenten Studentinnen – uns gerne zum kollektiven Schauen von „Germany’s Next Topmodel“ verabredet, und zwar völlig freiwillig. Später habe ich meinen Konsum von derartigen Sendungen gerne vertuscht, denn zu oft kam die vorwurfsvolle Frage „Warum schaust du das? Du bist doch nicht blöd!“.

frau relaxt auf dem sofa und schaut fernsehen

©iStockphoto | franckreporter

Die Verbindung zwischen Trash-TV und mangelnder Intelligenz bei deren Konsumenten ziehen viele oder sie unterstellen, dass man durch das Schauen der Sendungen auf jeden Fall verdummt. Auf qualifizierte Studien dazu warte ich bis heute. Ich finde es auch unsinnig, Intelligenz oder Intellekt und Bildung mit Unterhaltung in einen Topf zu werfen.

WAS IST DER REIZ AN TRASH-TV?

Ich persönlich liebe Trash-TV gerade, weil es so sinnlos und lachhaft ist. Ich amüsiere mich über die offensichtlichen Manipulationen und Inszenierungen der Fernsehmacher. Niveaulosigkeit kann so schön entspannen! Fakt ist: Jeder Mensch ist ein Voyeur – allein der Grad und das Objekt unterscheiden sich. Es liegt in unserer Natur, zu beobachten, zu kritisieren und zu vergleichen und uns so regelmäßig selbst zu überprüfen.

Wahrscheinlich funktionieren Trash-Sendungen auch gerade deshalb, weil sie (hoffentlich) so weit weg von unserem eigenen Leben sind und man die fragwürdigen Akteure der Medienlandschaft mit tolerierter Verachtung beobachten kann. Die Realität und die echten Probleme haben Sendepause und werden durch den Trash relativiert. Ganz nach dem Motto: Bei mir läuft vielleicht nicht alles glatt, aber immerhin sitze ich nicht mit „dem Wendler“ im „Sommerhaus der Stars“!

DAS INTERESSIERT DICH AUCH

Von der Couch aus über die Teilnehmer in Trash-Shows zu lästern, macht Spaß. Aber Tratsch hat tatsächlich auch eine wichtige, gesellschaftliche Funktion. Was bewegt Frauen dazu, an Formaten wie „Der Bachelor“ teilzunehmen und sind sie deswegen wirklich pauschal eine Schande für die emanzipierte Frau? Bestimmte Charaktereigenschaften scheinen bei Frauen häufiger aufzutreten als bei Männern. Wird uns der Selbstzweifel vielleicht sogar in die Wiege gelegt?

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