„Typisch Frau“ ist einer dieser Kommentare, der eigentlich nicht mehr wirklich in unsere Zeit passt. Streng genommen hat er eigentlich in keine Zeit gepasst, denn was ist denn bitte typisch weiblich und typisch männlich? Trotzdem gibt es natürlich Verhaltensweisen, die auffallend öfter bei Frauen auftreten. Eine davon sind die ewigen Selbstzweifel. Warum ist das so?

WIRD UNS DER SELBSTZWEIFEL IN DIE WIEGE GELEGT?

In Zeiten von verschwimmenden Geschlechtergrenzen, selbstbewussten #girlbosses und Feminismus halten sich dennoch einige Rollenklischees hartnäckig. Das Verzwickte an Klischees ist nun mal aber, dass sie in der Regel nicht ohne Grund entstehen. Klar ist, wenn ich hier als Geschlechtsgenossin die These aufstelle, dass in den meisten von uns mehr Hang zu Selbstzweifeln steckt, als in Männern, ist das ein heißes Eisen. Fakt ist, dass ich sowohl aus eigener Erfahrung als auch durch mein Umfeld zu wissen glaube: Bei Frauen ist der Hang zum Grübeln, Zweifeln und Hinterfragen ausgeprägter. Man könnte das nun negativ auslegen als Unsicherheit, während Männer vor Selbstbewusstsein strotzten und immer wissen, was sie tun. Positiv betrachtet glaube ich, dass uns Frauen einfach mehr Fähigkeit zur Empathie mitgegeben wurde. Das heißt, wir nehmen mehr wahr und können uns leichter in andere hineinversetzen, werden dadurch aber auch in eigenen Entscheidungen beeinflusst und kommen eventuell ins Wanken. Klar, wer nur seinen Weg sieht und kennt, kommt nicht ins Stolpern.

Frau sitzt auf Stein und schaut in die Ferne

©Photo by Julia Caesar on Unsplash

MÄNNER UND FRAUEN SIND NUNMAL UNTERSCHIEDLICH UND DAS IST AUCH GUT SO!

Jetzt höre ich schon meine Geschlechtsgenossinnen, die mir Verallgemeinerung unterstellen, aber Fakt ist: Wir können Charaktereigenschaften nie ganz isoliert vom Geschlecht betrachten. Während eine Frau natürlich stark und selbstsicher und ein Mann ebenso einfühlsam und unsicher sein kann, hat so etwas Prägendes wie das Geschlecht immer Einfluss auf unsere Entwicklung. Frauen wachsen ganz anders auf und leben in einem Umfeld des ständigen Vergleichs. Auch Männer führen Wettkämpfe, aber meistens freiwillig. Sich zu messen macht ihnen Spaß, bei Frauen ist es oft der einzige Weg, sich durchzusetzen – auch untereinander. So wird es uns zumindest eingetrichtert. Sich zu vergleichen, lernen wir bereits mit dem Spielzeug anhand der auf Perfektion getrimmten Barbies, später dann innerhalb des Freundeskreises und natürlich im Job. Die Werbeindustrie und der Schönheitswahn haben uns gefühlt auch fester im Griff als die männlichen Kollegen, allein schon, weil das Angebot viel größer ist.

Männerschuh und Frauenschuh

©Photo by Alysa Bajenaru on Unsplash

WIE GEWINNT MAN DEN KAMPF GEGEN DIE ZWEIFEL?

Natürlich ist es normal, auch manchmal zu zweifeln. Doch wenn uns das ständige Hinterfragen hemmt, müssen wir uns überlegen, wie wir uns davon befreien. Fest steht, ein Allheilmittel über Nacht gibt es nicht. Das Einzige, das uns helfen kann, sind Erfahrung und Sicherheit, in dem was wir tun. Wir müssen also das gute alte Selbstvertrauen aufbauen. Das heißt:

  • Über sich selbst reflektieren, um zu wissen, was man überhaupt möchte. Dabei möglichst spezifisch sein, also nicht „Ich möchte mehr Geld“, sondern „Ich möchte bis zum nächsten Jahr 20 % mehr verdienen“
  • Erfolge bewusst feiern und groß- statt kleinreden. Viele Frauen neigen dazu, ihre Erfolge kleinzureden. Dabei sollten wir das Gegenteil tun. Die gefürchtete Präsentation hat geklappt? Du warst einen Monat regelmäßig im Sport? Diese Etappensiege muss man sich bewusst machen und feiern
  • Mit anderen austauschen. Viele Selbstzweifel rühren von der Annahme, dass es allen anderen besser geht. Wenn man sich austauscht, wird man schnell feststellen, dass das nicht so ist
  • Die Zweifel zulassen. Um etwas zu ändern, muss man das Problem zuerst annehmen. Welche Zweifel sind gut und vielleicht sogar konstruktiv, weil sie zu einer Reflektion und schließlich Lösung führen und welche münden nur in Grübeln und Unsicherheit? Bei Letzteren hilft es, sich diese aufzuschreiben, um Distanz zu schaffen. Dann sind sie aus dem Kopf und man kann versuchen, sie mit etwas Abstand neu zu betrachten

Aus einer notorischen Zweiflerin wird nie eine Frau, die völlig sicher Entscheidungen in Sekundenschnelle trifft und vor Selbstbewusstsein strotzt, aber mit ein bisschen Übung können wir vielleicht öfter laut „Ja!“ zu uns selbst sagen und die Zweifel in die Flucht schlagen.

Frau lacht und fährt sich durch die Haare

©Photo by Hean Prinsloo on Unsplash

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Jeden Tag müssen wir hunderte Entscheidungen treffen. Kein Wunder, dass das oft in einem inneren Kampf mündet. Doch mit einigen Tipps kannst du ihn gewinnen! Zweifel an sich selbst und Unzufriedenheiten mit dem eigenen Körper sind nicht schön, aber wir müssen auch nicht krampfhaft versuchen, auf der „Self Love Welle“ mitzusurfen. Body Neutrality hingegen sagt: Es ist auch ok, wenn du deinem Körper gegenüber neutral eingestellt bist. Feminismus ist super! Aber bitte nur wenn er nicht zum platten Trend degradiert wird!

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