Unser ganzes Leben ist geprägt von Entscheidungen. Egal ob diese trivial und alltäglich oder zukunftsweisend sind, es scheint immer zwei Arten von Menschen zu geben: Die Macher, denen vermeintlich mühelos klar ist, was zu tun ist und die ewigen Grübler, die sich mit jeder noch so kleinen Entscheidung quälen. Doch die gute Nachricht ist: Entscheidungen zu fällen kann man lernen – zumindest ein bisschen.

ENTSCHEIDUNGSDRUCK: WENN UNSICHERHEIT ZU ÜBERFORDERUNG WIRD

„Ich entscheide mich und nehme beides!“, diesen Spruch habe ich mal in einem Meme gelesen und mich direkt wiedererkannt. Seitdem ist er eine Art Running Gag zwischen mir und meiner Mutter, von der ich meine geringe Entscheidungsfreude geerbt zu haben scheine. Die Speisekarte wird ewig studiert, die Gerichte werden abgewogen und wenn die Bestellung dann schließlich getätigt ist schießt direkt die Frage durch den Kopf: „Hätte ich was anderes nehmen sollen?“. Dieser Prozess lässt sich auch auf generelle Lebensentscheidungen übertragen. Zum einen bin ich mir relativ sicher, dass die Fähigkeit oder Unfähigkeit zu entscheiden zwar durchaus familiär geprägt ist (man ahmt nach, was man sieht), zum anderen ist sie auch ein Ergebnis unserer Umwelt. Es gibt heute zum Beispiel immer mehr Möglichkeiten, immer etwas Neues zu probieren und zu entdecken.

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WAS MACHT DAS ENTSCHEIDEN SO SCHWIERIG?

Während man Schwierigkeiten mit kleinen Alltagsentscheidungen noch mit Humor nehmen und irgendwie ja doch lösen kann, gibt es natürlich auch die großen und wichtigen Entscheidungen, die uns oft Bauchschmerzen bereiten und uns nachts wachliegen lassen. Dabei spielen folgende Faktoren eine Rolle:

Die Reichweite der Entscheidung
Je wichtiger und schwerwiegender eine Entscheidung ist, desto eher brauchen wir Rat. Man ist mit der Reichweite schlicht überfordert und ist manchmal auf eine neue Perspektive angewiesen. Lassen sich die Folgen nicht wirklich absehen, haben wir noch mehr Angst und verfallen regelrecht in Schockstarre. Das Ergebnis: Man lässt erstmal alles so, wie es ist oder wartet bis sich die Entscheidung von selbst erledigt.

Fehlende Klarheit über die anderen Optionen
Wenn man bei den Alternativen im Trüben fischt und deren Vor- und Nachteile nicht kennt, wird die Entscheidung ebenfalls schwer.

Fehlende Klarheit über die eigenen Ziele
Jede Entscheidung spielt natürlich im eigenen Kosmos eine Rolle und soll auf ein Ziel hinführen, das wir im Inneren haben. Doch was, wenn wir diese Ziele nicht definiert haben oder uns dessen gar nicht bewusst sind? Dann geraten wir ins Straucheln und die Entscheidung fällt uns schwer, weil uns der persönliche Kontext fehlt.

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WELCHE ENTSCHEIDUNGSHILFEN GIBT ES?

Es gibt ein einige bewährte Entscheidungshilfen, die teilweise banal klingen mögen und dennoch oft vergessen werden.

1. Familie und Freunde um Rat fragen
Eine Entscheidung wird bereits in dem Moment einfacher, in dem man sie teilt. Familie und Freunde kennen uns am besten und haben dennoch eine Perspektive von aussen und damit den nötigen Abstand, der uns oft fehlt. Die neuen Blickwinkel von Menschen, denen wir vertrauen, sind nicht immer die finale Entscheidung, aber helfen auf dem Weg dorthin. Wichtig ist aber, den Ratgeber nicht für die Entscheidung verantwortlich zu machen, falls etwas schief geht. Mit etwas Vorstellungsvermögen kann man sich aber auch selbst beraten. Der Trick: Anderen gegenüber stehen wir rationaler gegenüber. Daher hilft die Fragestellung: „Welchen Rat würde ich einem meiner Freunde geben, wenn er das gleiche Problem hätte?“

2. Der Klassiker: Eine Pro und Contra-Liste
Klingt vielleicht banal, aber hat sich bewährt. Oft hilft schon das Verschriftlichen, um sich über die Argumente für und gegen eine Entscheidung klarer zu werden. Dabei kann man dann entweder rein qualitativ vorgehen (die Seite mit mehr Punkten gewinnt) oder den Argumenten mit einem Punktesystem unterschiedliche Gewichtungen geben.

3. Den Zufall entscheiden lassen
Der Münzwurf kann dank eines psychologischen Tricks den finalen Impuls für eine Entscheidung geben. Wichtig ist, nicht unbedingt auf das Ergebnis zu achten, sondern mehr darauf, welches Ergebnis man sich wünscht, wenn man die Münze wirft. Tief im Inneren kennen wir die Antwort manchmal nämlich schon und die Konfrontation mit dem Zufall bringt sie aus dem Unterbewusstsein ans Licht.

4. Die Konsequenzen durchdenken
Jeder hat es schon mal erlebt: Eine Entscheidung fühlt sich in dem einen Moment nach einer Katastrophe an und hat unmittelbar vielleicht auch negative Folgen. Doch was ist jetzt, 5 Wochen, Monate oder gar Jahre später? Rückblickend werden manche Entscheidungen geradezu lächerlich nichtig. Wenn man diese Zeitreise durchspielt, kann man sich viel von der Entscheidungsangst nehmen.

Und dann ist da ja noch die gute alte Intuition, das Bauchgefühl. Denn manchmal sagt uns eine innere Stimme, was wir tun sollen. Wir müssen nur manchmal lernen, wieder auf sie zu hören!

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