Das war doch nur Zufall!“ ist einer der Sätze, der zum festen Vokabular von Betroffenen des sogenannten Hochstapler-Phänomens gehört. Sie glauben trotz großer Erfolge, dass sie diese nicht verdient, sondern nur durch Glück oder Zufall erreicht haben. Und dann ist da ja noch die allgegenwärtige Angst: Irgendwann fliege ich auf!

WAS IST DAS HOCHSTAPLER-PHÄNOMEN?

Das Hochstapler-Phänomen, auch Impostor-Phänomen oder Impostor-Syndrom genannt, ist ein psychologisches Phänomen, bei dem Betroffene unfähig sind, ihre Erfolge anzuerkennen. Das bedeutet, dass sie trotz Fakten und sachlicher Beweise davon überzeugt sind, dass ihr Erfolg nur auf Zufall und Glück beruht und sie sich diesen eigentlich erschlichen und nicht verdient haben. Der Begriff bedeutet also nicht, dass jemand ein Hochstapler ist, sondern sich nur fälschlicherweise dafür hält.

Damit einher geht auch die Angst, irgendwann „aufzufliegen“, weil die Umwelt endlich merkt, dass man nur ein Blender ist. Ein alles überragender Selbstzweifel ist damit wesentlicher Teil des Hochstapler-Phänomens. Der Begriff (original: „Impostor phenomenon“) wurde erstmals 1978 in einem Artikel von Pauline R. Clance und Suzanne A. Imes eingeführt. Sie beobachteten, dass viele sehr erfolgreiche Frauen glauben, dass sie nicht besonders intelligent wären und ihre Leistungen von anderen überschätzt würden. Das Hochstapler-Phänomen ist übrigens nicht als psychische Krankheit klassifiziert, daher definieren Psychologen es auch als es Phänomen und nicht als Syndrom. Zunächst ist es ein belastendes Denkmuster, das in der Folge zu Erkrankungen führen kann.

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BETROFFENE DES HOCHSTAPLER-PHÄNOMENS

Ironischerweise leiden vor allem Hochbegabte oder Multitalente oft unter dem Hochstapler-Phänomen, was damit zusammenhängt, dass sie sich von Natur aus anders als die Anderen fühlen. Sie kennen meist kein richtiges Leistungsgefühl, wirkliche Erfolgserlebnisse und Zufriedenheit über die eigene Leistung bleiben dadurch aus. Oft werden sie missverstanden und wenn ihre Fähigkeiten nicht früh gefördert werden, prägt sich ein falsches Bild ein. Ihnen fallen viele Dinge leichter, der Erfolg scheint ihnen zuzufliegen. Der für die Betroffene logische und oft unbewusst gezogene Schluss: Sie haben den Erfolg nicht verdient und sind eigentlich Hochstapler. Während einige Studien nahelegten, dass Frauen öfter von dem Phänomen betroffen sind als Männer, belegen jüngste Ergebnisse der Universität Wien etwas anderes: Die Anfälligkeit für das Syndrom hängt nicht vom biologischen Geschlecht ab. Stattdessen spielen viel mehr die Geschlechterrollen, die man sich selbst zuschreibt, eine entscheidende Rolle: Menschen mit Eigenschaften, die man als „typisch weiblich“ deklariert wie Feinfühligkeit und Empathie, leiden öfter unter dem Phänomen.

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WIE WIRD DAS HOCHSTAPLER-PHÄNOMEN BEHANDELT?

Für die Betroffenen des Hochstapler-Phänomens bleibt das ständige Gefühl der Mittelmäßigkeit und der Angst, dass der „Schwindel“ auffliegt. Wirkliche Erfolgserlebnisse können sie nicht erkennen und feiern. Am Anfang jeder Therapie steht daher die Erkenntnis, dass das Problem existiert. Bei einer kognitiven Verhaltenstherapie wird der gedankliche Prozess betrachtet und es wird daran gearbeitet, dass bestimmte Annahmen überwunden und als falsch erkannt werden. Auch eine Schreibtherapie ist ein Ansatz. Dabei wird der Betroffene gezwungen, Erfolge zu verschriftlichen und so die Gedanken besser zu sortieren. Auch die Offenbarung der eigenen Zweifel gegenüber den Mitmenschen oder der Austausch mit anderen Betroffenen sind wichtige Eckpfeiler für eine Therapie des Hochstapler-Phänomens, um dem ewigen Kreislauf aus Selbstzweifeln und Angst zu entkommen. Wenn du denkst, dass du vom Hochstapler-Phänomen betroffen sein könntest, zögere nicht einen Arzt oder Therapeuten zu kontaktieren. Erste Anlaufstelle kann auch der Hausarzt sein.

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