Frauenfreundschaften sind einzigartig und wer seine „BFF“ oder auch mehre Herzens-Freundinnen gefunden hat, der will sie nicht mehr missen. Aber mit Nähe kommen auch Konflikte und die scheinen wir Frauen oft zu scheuen. Wann wird schonungslose Ehrlichkeit zur Pflicht und können wir einen freieren Umgang mit Konflikten lernen?

FREUNDSCHAFTEN ZWISCHEN FRAUEN HABEN EINE ANDERE DYNAMIK ALS UNTER MÄNNERN

„Bitte sei nicht sauer.“, das ist so ein typischer Satz, den bestimmt jede Frau schon mal gehört oder selbst zu ihrer Freundin gesagt hat. Ich würde mich mal aus dem Fenster lehnen und behaupten, dass man ihn unter männlichen Freunden eher selten hört. Er ist symptomatisch für etwas, das zumindest in meiner Wahrnehmung Fluch und Segen von vielen Frauen ist: Wir sind emotional und denken zu viel nach.

zwei junge frauen auf einem steg

Photo by Yanapi Senaud on Unsplash

Das soll nicht heißen, dass Männer keine Emotionen zeigen, aber ihr Umgang mit Konflikten untereinander erscheint mir doch etwas einfacher gestrickt. Ein offenes Wort, vielleicht auch mal etwas Anschreien oder gar eine kleine körperliche Auseinandersetzung und danach sitzt man wieder zusammen beim Bier. Bei Frauen hingegen werden Konflikte oft lange mit sich herumgetragen, analysiert und schließlich dann doch heruntergeschluckt, weil man das Gegenüber nicht verärgern oder sich die Konfrontation sparen will.

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WIR MÜSSEN OFFEN ÜBER KONFLIKTE REDEN, UM SIE ZU BESEITIGEN

Nun ist es sicherlich nicht ratsam, bei jeder Kleinigkeit, die einen stört, direkt den Krisenrat einzuberufen. Ähnlich wie in einer Partnerschaft gehört die Toleranz von Schwächen zu einer Freundschaft – schließlich haben wir den Menschen genauso wie er ist in unser Herz geschlossen. Spätestens aber wenn wir uns verletzt oder enttäuscht fühlen, muss ein offenes und direktes Gespräch her – und zwar ganz ohne Zuckerwatte-Vokabular und Chichi.

Besonders schwierig wird das bei Freundschaften unter mehreren Frauen. Sie haben eine ganz eigene Dynamik, die oft geprägt ist von Hörensagen, Missverständnissen und der unter der Oberfläche brodelnden Frage, wer mit wem worüber redet. Denn seien wir doch mal ehrlich: Selbst die besten Freundinnen sind manchmal voneinander genervt und kotzen sich dann übereinander aus.

zwei freundinnen liegen im gras und halten sich die augen zu

Photo by Sam Manns on Unsplash

MUTMASSUNGEN FÜHREN ZU EMOTIONALEN „FOLGEFEHLERN“

Meiner Meinung nach liegt die Wurzel allen Übels in unserem häufigen Drang, über die Gefühle anderer zu mutmaßen und daraus dann weitere Handlungen zu schließen. Man muss kein Albert Einstein oder Sigmund Freud sein, um zu wissen, dass diese Gleichung nicht immer aufgeht. Denn es ergibt sich etwas, dass sich in der Mathematik „Folgefehler“ nennt: Ist die Annahme am Anfang falsch, ist die ganze „emotionale Gleichung“ für die Katz.

Statt also zu überlegen, wie unser Gegenüber etwas auffassen könnte, statt zu interpretieren und analysieren, sollten wir öfter den Mut haben, Konflikte ungefiltert und direkt zu kommunizieren. Das kann dann zwar auch zu einem Konflikt führen, aber der liegt dann wenigstens offen auf dem Tisch und man ist direkt beim Kern der Sache. Eine echte Freundschaft muss das aushalten und kann letztlich sogar daran wachsen.

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Jeder hat emotionalen Ballast, den er mit in neue Freundschaften oder Beziehungen bringt. Aber wie schaffen wir es, dass er nicht zum Störfaktor wird? Manchmal hilft auch nur noch ein harter Schnitt – egal ob bei schwierigen Freundschaften, in Beziehungen oder Jobs. Hast du noch Kontakt mit deiner Clique aus der Schule oder dem Studium? Es scheint manchmal, als hätten manche Freundschaften ein Verfallsdatum.

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