Termine jagen uns im Job, aber immer öfter auch in der Freizeit. Urlaubsplanung, Treffen mit Freunden und ironischerweise sogar die Erholung müssen geplant werden. Dabei entsteht dann oft eine skurrile Situation: Statt zur Entspannung wird sogar unsere Freizeit zum Projekt, das gut organisiert werden muss. Ein Luxusproblem der modernen Gesellschaft, das inzwischen immer mehr kennen. Aber was können wir tun, um diesem Druck zu entkommen?

„Deine Probleme will ich haben!“, höre ich öfter, wenn ich mal wieder über meinem Kalender brüte, in dem ich meine privaten und geschäftlichen Reisen aber auch Termine plane. In der Tat kann ich mich glücklich schätzen, finanziell in der Lage zu sein viel zu reisen und zu unternehmen. Aber auch Freunde, die nicht so viel unterwegs sind, kennen das Problem: Man hat inzwischen auch privat so viele Termine und Verpflichtungen, dass daraus irgendwann ein Druck erwächst, alles und vor allem jeden unter einen Hut zu bringen, schließlich will man auch niemanden vernachlässigen.

kaffeetasse auf grauem bettlaken

Photo by Toa Heftiba on Unsplash

Der Druck kommt nicht von ungefähr: Wir leben in einer Welt, in der wir aus einem Überangebot aus Freizeitaktivitäten auswählen können. Zumindest in Großstädten warten überall kulturelle Events, lange Öffnungszeiten in Geschäften und damit die Möglichkeit, quasi rund um die Uhr beschäftigt zu sein. Nicht selten vergisst man dabei aber den wichtigsten Menschen: Sich selbst.

FREIZEIT SOLLTE RAUM FÜR SPONTANITÄT UND FAULHEIT OHNE SCHLECHTES GEWISSEN LASSEN

Ich bin persönlich ein großer Fan von zelebrierter Faulheit. Oft hat man aber das Gefühl, dann etwas zu verpassen und seine Zeit nicht optimal zu nutzen. In meinen Augen ein Ergebnis unserer leistungsorientierten Gesellschaft, die irgendwie immer alles einem Ziel und Zweck unterordnen muss. Manchmal habe ich fast das Gefühl, wir haben das Nichtstun verlernt! Du schaffst es nicht zum Sportkurs um 18 Uhr, weil dein Tag im Büro die Hölle war oder du hast schlicht und ergreifend keine Lust? Dann lass‘ es bleiben. Ich finde, wir sollten uns wieder frei davon machen, ein in jeder Hinsicht erfülltes Leben mit möglichst vielen Highlights zu führen. In deiner Instagram-Bio steht nicht „35 countries and counting“? Dadurch bist du nicht weniger interessant!

frau nackt im bett liegend

Photo by Gregory Pappas on Unsplash

TIPPS FÜR MEHR ENTSPANNUNG UND WENIGER DRUCK

Natürlich gibt es Menschen, die aus einer größtmöglichen Auslastung Energie ziehen und immer auf dem Sprung sind, aber jeder schwingt sozusagen auf seiner eigenen Frequenz. Hier ein paar persönliche Tipps, um ein wenig Druck aus der Freizeitplanung zu nehmen:

Langfristig planen aber Raum für Spontanität lassen
Klar, einige Dinge wie Urlaub muss man langfristig planen. Aber gerade was das Wochenende angeht, ist es in Ordnung nicht immer verbindlich für Einladungen zuzusagen, wenn man sich noch nicht sicher ist. Sag einfach ehrlich: Ich kann das aktuell noch nicht sagen. Das ist besser, als sich später aus Pflichtgefühl irgendwohin zu quälen.

Zeit für nur für dich einplanen
Versuche dir mindestens einen Tag im Monat freizuhalten – ohne Termin und Plan. Du entscheidest dann spontan, worauf du Lust hast. Wenn das die Couch und Netflix sind, ist das völlig ok!

Dinge zu canceln, ist in Ordnung
Ich persönlich habe einen starken Drang zu Pflichtgefühl und Zuverlässigkeit, was grundsätzlich eine Stärke ist, aber nicht um jeden Preis. Es ist völlig in Ordnung, Dinge abzusagen, wenn man nicht 100 % happy damit ist. Natürlich nicht Last Minute und gerade bei Freundschaften sollte man sich schon bemühen, diese zu pflegen. Aber eine gute Freundin hat Verständnis, wenn du auch mal ein Treffen absagst, wenn du Zeit für dich brauchst.

Die sozialen Medien definieren nicht die Qualität deines Lebens: Gerade auf Instagram und Facebook springen uns oft die vermeintlich spannenden Leben der anderen entgegen. Dabei sollten wir nie vergessen, dass das erstens nur ein Ausschnitt und sozusagen das „Best of“ ist und zweitens kein Feed unseren Wert und die Qualität unseres Lebens oder Lifestyles definiert. Das macht letztlich nur eines: Unsere Zufriedenheit. Und die findet sich vor allem in Ruhe und freier Zeit ohne Termine.

DAS INTERESSIERT DICH AUCH

Stress ist allgegenwärtig, aber es gibt ein paar Tipps, wie man besser damit umgehen kann und den Anfang macht die Entglorifizierung des Wortes an sich. Auch ein Achtsamkeits-Tagebuch ist ein schöner Weg, wieder etwas mehr Balance in sein Leben zu bringen. Apropos: Entspannung ist längst ein lukratives Business, doch Wellness und Co. bekämpfen oft nur das Symptom statt der Ursache.

abbinder newsletter

WAS MEINST DU DAZU? WIR FREUEN UNS AUF DEINE MEINUNG!