Unsere Gesellschaft verändert sich und damit auch unsere Arbeitswelt. Vor allem digitale Nomaden und Freelancer schätzen das Coworking, also gemeinschaftlich genutzte Büros auf Zeit. Außerdem setzen im auch immer mehr Unternehmen auf neue Ansätze. Sind Kaffee-Flat, hippe Denkzellen und aufgelöste Büros die Zukunft oder oft nur Augenwischerei und gut für’s Image? 

UNSERE ARBEITSWEISE SPIEGELT UNSERE PERSÖNLICHKEIT WIDER

Schaut man in ein beliebiges Büro in Deutschland (egal ob hippe Werbeagentur oder Steuerkanzlei), wird man wahrscheinlich genauso viele verschiedene Arbeitsweisen und Bürovorlieben finden wie Mitarbeiter. Natürlich werden wir durch Vorgaben und interne Strukturen alle einigermaßen vereinheitlicht (oder es wird zumindest versucht), aber wie individuell unsere Einstellung zur Arbeit ist, lässt sich schon am Schreibtisch ablesen: Aufwendig verziert mit persönlichen Fotos und lustigen Zitaten oder minimalistisch, ein mit Dokumenten und Verknüpfungen vollgepflastertes Desktop, ergonomischer Stuhl oder Sitzball – wenn wir können, bauen wir uns im Job unseren kleinen Mikrokosmos. Und natürlich spiegelt sich unsere Persönlichkeit auch in der Arbeitsweise wider, eigentlich ist sie sogar entscheidend, welchen Job wir überhaupt annehmen. Ein geselliger Kreativer wird vielleicht im Großraumbüro der Agentur glücklich, ein in sich gekehrter Zahlenliebhaber im stillen Kämmerchen der Buchhaltung. Es lässt sich also festhalten: Die Arbeitswelt ist so bunt und vielfältig wie wir Menschen selbst. 

Coworking in einem Großraumbüro

©Unsplash | Shridhar Gupta

ALLES EASY – VON DER NEUEN LOCKERHEIT IM BUSINESS

Großraumbüros, bunte Denkzellen und Tischkicker finden sich längst nicht mehr nur in betont coolen Star-ups (obwohl man sich hier gerne besonders austobt). Längst haben auch große Konzerne und vermeintlich konservative Branchen umgedacht. Das Stichwort lautet New Work. Der Begriff der von dem austro-amerikanischen Sozialphilosophen Frithjof Bergmann geprägt wurde, setzt die persönliche Freiheit in den Fokus und vor allem die Frage: Was wollen wir wirklich beruflich machen? Der Wandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft und die Veränderungen im medialen Zeitalter, die Globalisierung und Digitalisierung eröffnen neue Möglichkeiten: Zeitliche, räumliche und organisatorische Flexibilität lautet die Devise. Die neue Freiheit bringt aber auch oft eine Verwässerung von Privat- und Berufsleben mit sich und die ist nicht für jeden reizvoll. Genauso ist das Coworking, das ebenfalls in diese Kultur der Offenheit und vielfältigen Möglichkeiten fällt, ein zweischneidiges Schwert: Ist es wirklich so toll, seinen Schreibtisch mit einem Fremden zu teilen und möchte ich sofort mit jedem per Du sein? Brauche ich bunte Sitzecken, Tischkicker und Co. wirklich für Kreativität oder ist das nur das Image, das Kreative gerne pflegen? Außerdem wirkt für mich die vermeintlich coole Etikette in einigen Unternehmen und der Coworking-Szene oft aufgesetzt, sozusagen als Rebellion gegen das Establishment.

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Homeoffice statt Coworking

©Unsplash | Thought Catalog

COWORKING KANN SUPER SEIN ODER DIE ABSOLUTE KATASTROPHE

Als freischaffende Journalistin, die theoretisch von überall arbeiten kann, schätze ich meine Flexibilität. Warum ein festes Büro anmieten, wenn man auch im Pyjama von zuhause arbeiten kann? Andererseits fehlt mir als Einzelkämpferin manchmal der kollegiale Austausch. Auch die Banalität, aus dem Haus zu gehen, um eine Strecke zum Arbeitsplatz zurückzulegen, ist für viele wichtig – auch um den Ablenkungen zu entgehen, die zuhause immer lauern. Ein Coworking Space bietet für „digitale Nomaden“ wie mich daher viele Vorteile: Geringe Kosten, maximale Flexibilität, Austausch mit Gleichgesinnten und Netzwerkmöglichkeiten, schnelles W-LAN (nicht zu unterschätzen) und das Gefühl „zur Arbeit zu gehen“ statt sich in einem Einheitsbrei aus Jogginghose und dem x-ten Waschgang zu verlieren. Doch diese Flexibilität bringt eben auch etwas anderes mit sich: Wo kaum Grenzen sind, geht mein kreatives Territorium verloren: Ein eigener Schreibtisch, ein eigenes Büro, wo alles seinen Platz hat und ich vor allem auch die Tür zu machen kann. Das Schöne ist, dass viele Coworking Spaces auch separat mietbare und abschließbare Büros anbieten, natürlich gegen höhere Raten. Das wäre mir mein Stück eigenes Territorium in einer sonst so freien Welt aber tatsächlich wert.

Fazit: Ich denke, nicht alles aus der „alten Arbeitswelt“ ist schlecht, genauso wie die neue Arbeitswelt viele Chancen bietet – letztlich muss jeder für sich selbst entscheiden, in welcher Welt er leben möchte und wie er sie im besten Fall verbindet.

Schreibtisch teilen beim Coworking

©Unsplash | Marten Bjork

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Schon wieder ein Meeting statt einer Besprechung oder ein Conference Call statt Telefonkonferenz? Manchmal nerven Anglizismen einfach. Wenn Unternehmen sich zu schnell verändern, kann das die Mitarbeiter schnell überfordern. Man spricht dann von dem Phänomen der Change Fatigue. Du fühlst dich vom Job oder dem Leben allgemein gestresst? Wir haben ein paar Tipps, wie du vielleicht den Ausstieg aus dem Hamsterrad schaffst.

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