Wir Menschen sind alle unterschiedlich: Während die einen eher entspannt in den Tag hineinleben, lieben die anderen Listen, Pläne und Organisation. Alles kein Problem, solange jeder in seinem Kosmos bleiben kann und niemanden damit beeinträchtigt. Doch wir müssen sowohl im Privat- als auch Berufsleben nun mal miteinander agieren. Dabei stelle ich mir immer öfter die Frage: Wann sind Zuverlässigkeit, Struktur und Verbindlichkeit eigentlich uncool geworden?

STRUKTUR UND KOMMUNIKATION SIND EIN ZEICHEN VON RESPEKT

Vielleicht kennt ihr das? In einer Gruppe gibt es immer ein paar Macher und den Rest, der irgendwie so mitläuft und sich höchstens meldet, wenn es einen persönlichen Nutzen für ihn hat. Diese Personen verlassen sich auf die Spitze, die das Projekt (beruflich oder privat) schon vorantreibt. Diese wiederum ist so motiviert und engagiert, dass sie sich teilweise bewusst ausnutzen lässt, denn ihre eigene Arbeitsethik verbietet es ihr einfach, weniger zu machen. Ich selbst zähle mich eher zu den Machern. Ich will Dinge vorantreiben und erledigen. Öfter habe ich schon den Spruch gehört: „Entspann dich mal!“ oder zumindest subtile Andeutungen in die Richtung.

Und ja, in vielen Dingen würde mir bestimmt etwas mehr Gelassenheit guttun. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass inzwischen für Einige schon die Basics wie Höflichkeit und anständige Kommunikation zu viel verlangt sind. Wenn ich per E-Mail, Messenger etc. eine Frage stelle, erwarte ich eine Antwort. Nicht innerhalb von Minuten, aber doch zumindest innerhalb von ein paar Tagen. Das hat für mich mit Wertschätzung und Anstand zu tun. Mal ganz abgesehen davon, dass fehlende Rückmeldungen die Arbeit oder private Planung bremsen. Und ja: Es gibt auch noch das Telefon, aber manchmal möchte oder kann man nicht telefonieren, das Gegenüber ist nicht erreichbar oder man muss Dinge für später einfach schriftlich festhalten.

Pinnwand mit Post-its

©Photo by Valentina Conde on Unsplash

VERBINDLICHE TERMINPLANUNG IST FÜR VIELE EIN ROTES TUCH

Während das regelmäßige Beantworten von E-Mails und Nachrichten schon oft eine Herausforderung darstellt, sieht es mit einer einigermaßen verbindlichen Terminplanung oft genauso aus. Im beruflichen Kontext funktioniert das noch besser, im Privaten habe ich manchmal den Eindruck: Alles was mehr als zwei Tage Vorlauf bedarf, stellt viele vor eine enorme Herausforderung und zwar nicht, weil sie so viele Termine haben und eingespannt sind, sondern das Credo lautet: Es könnte ja noch etwas Wichtigeres/Besseres kommen. Natürlich kann immer etwas dazwischenkommen, aber wieso es nicht zumindest versuchen? Platzt dem modernen Menschen ein Aneurysma, wenn er sich einen Termin in zwei Wochen oder gar einem Monat einplanen muss? Habt doch einfach den Mut und Respekt und legt euch fest. Ich habe mir inzwischen folgenden Spruch verinnerlicht: „Mache niemanden zur Priorität, für den du nur eine Option bist!“.

Frau arbeitet am Laptop

©Photo by Mikayla Mallek on Unsplash

STRUKTURIERT ABER NICHT VERBISSEN – WIE FINDET MAN DIE RICHTIGE MISCHUNG?

Gleichzeitig muss ich gestehen, dass ich diese Menschen, die so gänzlich „anders verdrahtet“ sind als ich, manchmal beneide. Ich hätte auch öfter gerne etwas von dieser Gleichgültigkeit und Laissez-faire Attitüde. Ich sehe nämlich nicht nur das aktuelle Problem, sondern auch schon alle, die daraus entstehen könnten, wie man diese dann behandelt und so weiter. Das ist ja die Krux an der Sache mit der Struktur im Leben: zu viel und wir fühlen uns eingesperrt und unflexibel, zu wenig und wir versinken irgendwann im Chaos. Ein Anfang wäre es vielleicht, wenn die „Macher“ mit den „entspannten Mitläufern“ nicht so streng wären und diese wiederum zumindest ab und zu den Willen zur Verbindlichkeit und ordentlichen Kommunikation zeigen, auch wenn das etwas Arbeit für sie bedeutet. Heißt im Klartext: Die Anteile von „Scheißegal-Attitüde“ und „Arbeitszwang“ neu verteilen, sich vielleicht auch mal ein Beispiel am Gegenüber nehmen und vor allem: Nicht zu viel erwarten, weder von einem selbst noch von anderen.

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Wenn Lug und Betrug über korrektes Verhalten siegen. Manchmal scheint es, als ob nur die Dreisten wirklich weiterkommen und das Karma seinen Job einfach nicht macht. Wenn selbst die Freizeitplanung zum Stress wird: Kennst du das Phänomen Leisure Pressure? Mit den Morning Pages entspannt in den Tag starten: Bei der Methode schreibt man unsortiert und ohne Wertung jeden Morgen seine Gedanken auf.

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