Slugging-Trend: Geniale Barriere-Kur oder Risiko für Unreinheiten?
Slugging vor dem Schlafengehen ist zum viralen Beauty-Phänomen geworden. Doch was bei extrem trockener Haut wie ein Wunder wirken kann, kann bei anderen Typen schnell nach hinten losgehen.
Slugging beschreibt das Versiegeln der abendlichen Hautpflege mit einer dicken Schicht Vaseline oder einem anderem Okklusivmittel. Die Idee dahinter ist simpel: Die Salbe bildet eine physische Barriere, die den transepidermalen Wasserverlust fast vollständig stoppt. Feuchtigkeit bleibt in der Haut eingeschlossen, Wirkstoffe können tiefer eindringen und die Barriere regeneriert sich über Nacht. Für eine extrem feuchtigkeitsarme Haut im Winter kann das die Rettung sein. Doch wer zu Unreinheiten oder Rosazea neigt, riskiert mit dieser Methode schmerzhafte Ausbrüche und Hitzestaus unter der Fettschicht.
Gerade für Frauen zwischen 25 und 45, die oft mit einer Mischhaut oder hormonellen Schwankungen kämpfen, ist Slugging kein universelles Heilmittel. Es kommt auf die Technik und vor allem auf die Wahl der richtigen Versiegelung an.
Was ist Okklusion?
Unsere Haut verliert über den Tag verteilt ständig Wasser an die Umgebung. Ein gesunder Lipidfilm verhindert das, doch bei Stress, Kälte oder falscher Reinigung entstehen Lücken. Okklusive Inhaltsstoffe wie Mineralöle legen sich wie eine Frischhaltefolie über diese Lücken. Das sorgt dafür, dass die Hornschicht aufquillt und sich prall anfühlt. Dieser Effekt ist rein physikalisch und hat nichts mit einer aktiven Zufuhr von Nährstoffen zu tun.
Das Problem bei klassischem Slugging mit Vaseline ist die fehlende Atmungsaktivität. Schweiß und Talg können nicht abfließen. Wer zu verstopften Poren oder Akne neigt, züchtet unter der Fettschicht ideale Bedingungen für Bakterien. Zudem kann ein zu starker Okklusiv-Effekt die Haut „faul“ machen. Wenn die Haut über einen langen Zeitraum signalisiert bekommt, dass kein Wasser entweicht, drosselt sie unter Umständen die eigene Produktion von Barrierelipiden. Das Ziel sollte jedoch immer eine eigenständige, starke Hautbarriere sein.
Slugging 2.0: Die moderne Alternative mit Köpfchen
Die Weiterentwicklung des Trends setzt nicht mehr auf reine Mineralöle, sondern auf Inhaltsstoffe, die die Hautbarriere aktiv nachbauen. Anstatt die Poren komplett abzudichten, nutzt Slugging 2.0 Produkte mit Ceramiden, Squalan oder Cholesterin. Diese Stoffe sind Bestandteil unserer natürlichen Hautstruktur. Sie verhindern den Wasserverlust ebenfalls effektiv, lassen der Haut aber genügend Raum zum Atmen.
Squalan ist hier ein besonderer Favorit. Es ist ein leichtes Öl, das dem menschlichen Sebum ähnelt und nicht komedogen wirkt. Wer eine Mischhaut hat, kann Slugging mit einem hochwertigen Squalan-Öl ausprobieren, ohne einen Ausbruch am nächsten Morgen befürchten zu müssen. Auch reichhaltige Nachtmasken, die auf pflanzlichen Butter-Sorten wie Shea oder Cupuaçu basieren, bieten einen okklusiven Effekt, bringen aber zusätzlich pflegende Fettsäuren in die Haut ein.
So setzt du Slugging sicher um
Wenn du Slugging ausprobieren möchtest, ist die Vorbereitung entscheidend. Die Haut muss absolut sauber sein. Bakterien oder Schmutzreste unter einer Fettschicht einzuschließen, führt fast garantiert zu Entzündungen. Trage zuerst deine gewohnte Feuchtigkeitspflege auf – idealerweise ein Serum mit Hyaluronsäure oder Glycerin auf die noch leicht feuchte Haut.
Warte kurz, bis die Texturen eingezogen sind, und trage dann eine sehr dünne Schicht deines Okklusivmittels auf. Bei Mischhaut reicht es oft völlig aus, nur die trockenen Wangenpartien zu behandeln und die T-Zone auszusparen.
Wichtig: Verwende unter einer okklusiven Schicht niemals starke Wirkstoffe wie Retinol oder hochkonzentrierte Fruchtsäuren. Durch die Versiegelung wird deren Wirkung unvorhersehbar verstärkt, was zu schweren Irritationen und Verätzungen führen kann. Slugging ist eine reine Regenerations-Maßnahme, kein Wirkstoff-Booster.
Vor- und Nachteile der Versiegelungstaktik
Der größte Vorteil von Slugging ist der sofortige Effekt bei extrem trockener, schuppiger Haut. Nach nur einer Nacht fühlt sich das Gesicht deutlich weicher und praller an. Es ist ein exzellenter Schutz bei eisigen Temperaturen oder nach Behandlungen, die die Barriere strapaziert haben, wie etwa nach einem professionellen Microneedling. Zudem ist Vaseline als Basis-Rohstoff sehr günstig und extrem gut verträglich, da sie keine Duftstoffe oder komplexen Allergene enthält.
Die Nachteile liegen in der Textur und dem Risiko für Problemhaut. Das klebrige Gefühl auf dem Kopfkissen ist gewöhnungsbedürftig und erfordert meist einen täglichen Wechsel des Bezugs. Für Menschen mit Rosazea ist Slugging oft kontraproduktiv, da der Hitzestau unter der Schicht die Gefäßerweiterung und Rötungen fördern kann. Auch bei fettiger Haut ist Vorsicht geboten: Die Gefahr von Milien (Grießkörnern) und Unterlagerungen steigt durch die starke Abdichtung deutlich an.
Die richtige Frequenz für einen gesunden Glow
Slugging ist keine Routine für jeden Abend. Sieh es eher als Kur für Notfälle. Ein- bis zweimal pro Woche reicht bei normaler bis trockener Haut völlig aus, um die Barriere zu unterstützen. Beobachte genau, wie dein Teint reagiert. Zeigen sich kleine rote Pünktchen oder wirkt die Haut plötzlich unruhig, ist die Methode für dich zu schwer.
Wer die Vorteile der Okklusion nutzen will, ohne die Nachteile der Vaseline in Kauf zu nehmen, sollte auf Barrier-Creams setzen. Diese Produkte kombinieren den einschließenden Effekt mit entzündungshemmenden Stoffen wie Panthenol oder Madecassoside. So bekommt die Haut den Schutz, den sie braucht, bleibt aber in ihrem natürlichen Gleichgewicht.
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Titelbild: ©Marco VDM




