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Was stimmt wirklich?

Cortisol Face: Die Wahrheit über das vermeintlich gestresste Gesicht

Auf TikTok reicht derzeit offenbar ein leicht aufgedunsenes Gesicht am Morgen für die Diagnose Cortisol Face. Doch gewöhnlicher Stress allein formt Deine Gesichtskonturen nicht dauerhaft um.

Social Media liebt schnelle Selbstdiagnosen

Auf Plattformen wie TikTok und Instagram hält sich der Begriff Cortisol Face aktuell enorm hartnäckig. Nutzerinnen zeigen in ihren Videos Fotos von vorher und nachher mit runderen Wangen, geschwollenen Augen und einer deutlich weniger definierten Kinnpartie. Ein etwas aufgedunsenes Gesicht am Morgen wird in diesen Clips direkt mit Stress in Verbindung gebracht. Dabei ist das Cortisol Face überhaupt keine echte medizinische Diagnose. Der Begriff lehnt sich an das bekannte Moon Face beziehungsweise die sogenannte Moon Facies an. Im Internet wird dieses Label allerdings wesentlich großzügiger vergeben. Wenn Du morgens in den Spiegel schaust und leichte Schwellungen entdeckst, hast Du also keineswegs gleich ein ernsthaftes medizinisches Problem.

Cortisol übernimmt lebenswichtige Körperfunktionen

Das Hormon Cortisol wird in den Nebennieren gebildet und leistet in Wahrheit großartige Arbeit für Deinen Körper. Es steuert Deinen Stoffwechsel, reguliert den Blutdruck, bremst Entzündungen und beeinflusst Deinen täglichen Rhythmus. Ein erhöhter Wert in bestimmten Situationen gehört zu einer vollkommen gesunden Körperfunktion. Du brauchst Cortisol dringend, um morgens überhaupt wach zu werden. Betrachte das Hormon daher keinesfalls als Feind Deiner Schönheit.

Gewöhnlicher Alltagsstress verändert die Gesichtsform nicht

Ein voller Terminkalender sorgt nicht sofort für pausbäckige Wangen. Social Media stellt hier häufig eine sehr simple Kette her. Nach dieser allzu vereinfachten Logik führt Stress zu einem Cortisolanstieg und dieser wiederum zu einem dauerhaft runden und geschwollenen Gesicht. Fachleute weisen jedoch klar darauf hin, dass gewöhnlicher Alltagsstress den Hormonspiegel in der Regel nicht so stark und langanhaltend erhöht, dass dadurch ein ausgeprägtes Moon Face entsteht. Stress kann allerdings Deine Schlafgewohnheiten massiv verschlechtern, Deine Ernährung stark beeinflussen oder zu einem wesentlich höheren Alkoholkonsum am Abend führen. Wer dauerhaft gestresst ist, greift öfter zu salzigen Snacks oder vergisst schlichtweg das Wassertrinken. All diese scheinbar kleinen Begleiterscheinungen tragen dann in der Summe indirekt dazu bei, dass Dein Teint müder und Deine Konturen geschwollener aussehen. Du merkst also, dass sich nicht jede sichtbare Veränderung im Spiegel einem einzigen Hormon zuschreiben lässt.

Ernsthafte Erkrankungen stecken hinter einem echten Moon Face

Medizinisch gesehen hat ein extrem rundes und voller wirkendes Gesicht ganz andere Ursachen. Ein echtes Moon Face kann beispielsweise beim Cushing-Syndrom auftreten. Bei dieser seltenen Erkrankung produziert der Körper über einen sehr langen Zeitraum hinweg viel zu viel Cortisol. Auch eine langfristige Einnahme von Kortikosteroiden wie Prednison führt häufig zu dieser starken Veränderung der Gesichtszüge. Die renommierte Cleveland Clinic nennt zudem eine Schilddrüsenunterfunktion als mögliche Ursache für ein solches Moon Face. Bei einer Unterfunktion können sich Zuckermoleküle in der Haut ansammeln und Wasser binden, was schließlich eine Schwellung verursacht. Eine vorschnelle Selbstdiagnose anhand Deiner Gesichtsform schürt oft nur unbegründete Ängste.

Hinter einem geschwollenen Gesicht stecken oft banalere Gründe

Wenn Deine Haut morgens extrem spannt und die Augenpartie aufgedunsen wirkt, gibt es unzählige einfache Erklärungen dafür. Mögliche kurzfristige Faktoren umfassen extrem salzreiche Mahlzeiten vom Vorabend wie Sushi oder Pommes, das gemütliche Glas Wein auf der Couch oder einfach zu wenig und unruhigen Schlaf. Auch harmlose Flüssigkeitseinlagerungen, jahreszeitbedingte Allergien, starke hormonelle Schwankungen während Deines weiblichen Zyklus und die Einnahme bestimmter Medikamente lassen das Gesicht oftmals deutlich fülliger erscheinen. Vorübergehende Schwellungen nach dem Aufwachen unterscheiden sich drastisch von einer dauerhaften Veränderung Deiner natürlichen Gesichtsform. Sobald Du aufstehst, Dein Kreislauf in Schwung kommt und Du Dich bewegst, transportiert Dein Gewebe einen großen Teil der eingelagerten Flüssigkeit meist von ganz allein ab. Dein Gesicht wirkt nach wenigen Stunden wieder völlig normal und definiert.

Gua Sha und Massagen haben klare Grenzen

Kosmetische Hilfsmittel wie Gua Sha, Face Roller und eine manuelle Lymphmassage sind wunderbare Helfer in Deiner Pflegeroutine. Sie können bei vorübergehenden Flüssigkeitseinlagerungen sehr gut dafür sorgen, dass Dein Gesicht kurzfristig weniger geschwollen wirkt. Du aktivierst damit den Lymphfluss und unterstützt sanft den Abtransport von gestautem Wasser im Gewebe. Dennoch können diese Methoden weder einen krankhaft erhöhten Cortisolspiegel behandeln noch ein echtes Moon Face beheben. Versprechen aus dem Netz, man könne mit einem kühlen Rosenquarzstein das Cortisol direkt aus dem Gesicht massieren, entbehren jeglicher wissenschaftlicher Grundlage. Die Massage entspannt zwar Deine Gesichtsmuskulatur und fördert die Durchblutung, nimmt aber keinen Einfluss auf den komplexen Hormonhaushalt.

Nahrungsergänzungsmittel bekämpfen nicht die Ursachen

Die Produktwelt rund um den aktuellen Trend wächst rasant. Videoclips verbinden das angebliche Cortisol Face geschickt mit Werbung für Ashwagandha, spezielle Säfte oder teure Pulver. Eine pauschale Wirksamkeit dieser Produkte existiert jedoch nicht. Ein vermeintliches Wundermittel gegen Cortisol gleicht keine tiefer liegenden Baustellen wie chronischen Schlafmangel aus. Bevor Du viel Geld für diverse Supplements ausgibst, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf Deine Gewohnheiten.

Simple Anpassungen im Alltag reduzieren Schwellungen

Statt komplizierter Hacks aus dem Internet helfen Dir einfache Maßnahmen am besten gegen die kurzfristige morgendliche Puffiness. Achte vor allem darauf, ausreichend zu schlafen und über den Tag verteilt genug klares Wasser zu trinken. Reduziere sehr salzige Mahlzeiten am späten Abend und genieße Alkohol immer in Maßen. Genau diese klassischen Faktoren empfehlen auch Mediziner als die sinnvollsten ersten Stellschrauben bei einer gewöhnlichen Gesichtsschwellung. Ein kurzer Spaziergang an der frischen Luft, eine kühle Kompresse aus dem Kühlschrank und eine ausgewogene Ernährung bewirken oft kleine Wunder für ein frisches und definiertes Aussehen.

Anhaltende Gesichtsschwellungen erfordern einen Arztbesuch

Sollten Deine Gesichtsschwellungen allerdings über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben, deutlich zunehmen oder Dir ernsthafte Sorgen bereiten, ist medizinischer Rat absolut gefragt. Dauerhafte oder plötzliche Veränderungen Deines Körpers gehören in ärztliche Hände, um mögliche Krankheiten sicher auszuschließen. Besonders wichtig wird eine gründliche Untersuchung bei Deinem Hausarzt, wenn zusätzlich zu Deinem Gesicht auch andere Körperbereiche anschwellen oder Du unerklärliche weitere Symptome an Dir bemerkst. Eine Blutanalyse gibt Dir verlässliche Sicherheit und klärt Deine individuellen Ursachen medizinisch korrekt auf.

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Titelbild: ©Laura Chouette on Pexels