Wir lieben Instagram – eigentlich. Doch seit einiger Zeit hat auf der Plattform, die eigentlich auch für Austausch und Kommunikation stand, ein Wandel stattgefunden. Veränderte Algorithmen und die zunehmende Bedeutung von bezahlten Posts sowie automatisierte Kommentare haben der App viel von ihrem Charme genommen. Schafft sich Instagram selbst ab?

INSTAGRAM DAMALS: INSPIRATION UND INTERAKTION

Als Instagram 2010 (Für IOS) beziehungsweise 2012 (für Android) gelauncht wurde, entwickelte sich die App rasend schnell zum Liebling der jungen Generation. Kein Wunder, denn sie wurde dem wachsenden Bedürfnis nach eher bildgeprägter statt textlastiger Kommunikation gerecht. Zunächst nur im quadratischen Format konnte jeder über seinen Account mehr oder minder Bedeutsames aus seinem Leben teilen. Mit den passenden Hashtags versehen wurden die Beiträge (von öffentlichen Profilen) dann auch von anderen Nutzern gefunden, die einem nicht folgten. Damals konnte man auch relativ sicher sein, wirklich alle Beiträge der Accounts zu sehen, denen man folgt. Instagram diente als Social App neben der Inspiration auch dem echten Austausch unter Gleichgesinnten. Aspekte, die leider in den letzten Jahren etwas gelitten haben.

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©Tarık Kızılkaya/iStock

RASENDER WACHSTUM UND DIE SACHE MIT DER WERBUNG

Instagram gewann sehr schnell viele neue Nutzer. Vor allem für Blogger und andere Szenen, in denen Ästhetik und Fotos eine wichtige Rolle spielen, war die Plattform natürlich ein Mekka. Gepusht durch die großen Influencer (den Ausdruck gab es bis vor ein paar Jahren noch gar nicht) und Stars aus Film, Mode und Musik erlebte Instagram einen regelrechten Boom, gefördert auch durch immer neue Funktionen wie Videos, Stories, Filter à la Snapchat etc. Mit 800 Millionen Nutzern weltweit und 15 Millionen in Deutschland (Stand Herbst 2017) ist Instagram eine echte Supermacht im Bereich Social Media. Klar, dass sich das Unternehmen, das zu facebook gehört, diesen Status auch vergolden lassen will. Durch gesponserte Beiträge wird Geld in die Kasse gespült. Doch für die muss natürlich irgendwie Platz im Feed der Nutzer sein und so müssen eben manchmal andere Beiträge weichen. Vielleicht ist es euch ja auch schon mal so gegangen: Man folgt jemandem, sieht dann irgendwann wieder einen Beitrag von dem Account, geht auf das Profil und stellt fest, dass man mehrere Beiträge verpasst hat. Nur um sich das vor Augen zu führen: Man folgt einer Person, weil man tatsächlich interessiert an deren Content ist und bekommt diesen nicht im Feed angezeigt!

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DER FLUCH VON INSTAGRAM: SPAM-KOMMENTARE, BOTS UND ENTREPRENEURE

Doch während das oben genannte Phänomen schon sehr unschön ist, ist die wirklich nervige Entwicklung, die der sogenannten Social Bots. Wenn man so will, sind diese eine technische Weiterentwicklung für geistlose Vertreter der „Like4 Like“ und „Follow4Follow“- Politik (Folge du mir und ich folge dir, ich like deins und du meins – Infantil und völlig sinnfrei!). Diese „sozialen Roboter“ sind Apps, die durch automatisiertes Kommentieren und Liken auf eine Seite aufmerksam machen und so deren Wachstum fördern sollen. Sprich: Irgendein findiger Entwickler hat erkannt, dass Instagram einfach so groß geworden ist, dass ja kein Mensch mehr Zeit für das schnöde Liken und Kommentieren hat – nochmal zur Erinnerung: Das nennt man Interaktion und ist eigentlich der Sinn einer Social App. Daher kann man sich ganz bequem bei einer App oder auch über eine Agentur anmelden und die liked und kommentiert dann in deinem Namen – sehr gruselig! Da werden dann natürlich meistens so allgemeingültige Floskeln wie „Great picture“, „I love what you’re doing. Keep up the good work!“, „Great Feed!“ etc. benutzt. Je nachdem wie intelligent der Bot eingestellt ist, kommen dann aber auch mal so kuriose Kommentare wie „Lovely picture“ unter einem Video zustande.

Ebenso nervig sind die sogenannten „Entrepreneure“, also vermeintliche Internet-Unternehmer. Diese und gerne auch mal „Digital Nomads“ und Reiseblogger schicken einem dann so charmante Kommentare oder Anfragen per Direct Messenger wie „Hey, ich glaube meine Arbeit könnte dich interessieren. Lust zusammenzuarbeiten?“ oder auch „Ich könnte deine Hilfe gut gebrauchen. Schreib mich doch mal an!“. Kennst du einen, kennst du alle und es nervt! Und ja, diese Vorgehensweisen widersprechen eigentlich den Nutzungsbedingungen von Instagram! Ich persönlich melde diese Kommentare und Profile daher immer direkt als Spam und lösche sie aus meinem Profil, doch das ist natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein bei der Masse an Usern. Teilweise werden die Konten dann zwar tatsächlich entfernt, aber in der Zeit gibt es eben schon 100 neue. Natürlich kann man die Kommentarfunktion und das Direct Messaging auch deaktivieren – aber das würde dann eben auch den Austausch mit den echten Menschen unmöglich machen.

INSTAGRAM IN DER ZUKUNFT: GIBT ES HOFFNUNG?

Die genannten Entwicklungen haben bei mir persönlich zwischendurch zu einer extremen Abneigung gegenüber Instagram geführt und ich kenne viele, die die App auch nur noch quasi als Bildbearbeitungsprogramm nutzen, um ihre Bilder vor dem Teilen auf facebook aufzuhübschen. Doch natürlich ist nicht alles schlecht: Instagram kann nach wie vor eine Quelle der Inspiration sein, die Stories und Face Filter machen Spaß und gewinnen auch immer mehr an Beliebtheit. Auch die Kommerzialisierung hat nicht nur Nachteile: Mit den neuen Möglichkeiten des Instagram Shopping, in denen Unternehmen ihre Produkte direkt im Bild markieren können, wird das Einkaufen direkt aus der App kinderleicht. Trotzdem würde ich mir wünschen, dass ein Unternehmen in der Größenordnung von Instagram noch mehr auf die Einhaltung der Richtlinien setzt und Spammer sowie Fake Accounts (inklusive Fake Followern) einfach konsequent abstraft beziehungsweise löscht. Dafür würde ich ein dickes, fettes Herz vergeben!

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Die Trendschmiede Instagram beschert uns regelmäßig die neusten Must-haves aus Fashion, Beauty und Lifestyle. So wie zum Beispiel Schmuck, der in Bloggerkreisen gehypt wird. In Sachen Styling kann man sich von den Bloggern ebenfalls was abschauen, denn hier liefert Instagram uns eine schöne „digitale Modenschau“. Ein Grund, das Smartphone doch öfters auch mal wegzulegen, ist das sogenannte „Digital Aging“. Denn das Licht der Bildschirme kann uns tatsächlich altern lassen!

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