Beauty Talk mit Diplom-Ernährungswissenschaftlerin Carolin Otzelberger
Carolin Otzelberger verbindet Ernährungswissenschaft mit funktioneller Blutanalytik und einem ganzheitlichen Blick auf Gesundheit. Für sie beginnt gutes Wohlbefinden oft dort, wo klassische Beauty-Routinen aufhören: bei Nährstoffversorgung, Stoffwechsel, Schlaf, Stress und der Frage, was der eigene Körper wirklich braucht. Im Gespräch erklärt sie, warum auch eine vermeintlich gesunde Ernährung Nährstofflücken nicht ausschließt, weshalb echte Self-Care weit über Wellness hinausgeht und welche einfachen Gewohnheiten für gesunde Haut, mehr Energie und langfristige Gesundheit besonders wichtig sind.
Liebe Carolin, wie bist du heute in den Tag gestartet? Gibt es eine kleine Morgenroutine, auf die du für Energie und Wohlbefinden ungern verzichtest?
Carolin Otzelberger: Auf jeden Fall: Bevor ich frühstücke oder zum ersten koffeinhaltigen Getränk greife, trinke ich mindestens einen halben Liter Wasser oder ungesüßten Kräutertee. Das ist eine ganz einfache Routine, die für mich aber einen großen Unterschied macht. Über Nacht leistet unser Körper viel Aufräum- und Regenerationsarbeit. Ausreichend Flüssigkeit am Morgen unterstützt ihn dabei, die dabei entstandenen Stoffwechselprodukte auszuscheiden – und ist für mich der beste Start in den Tag.
„Beauty from within“ ist inzwischen ein riesiger Trend. Wie viel können Ernährung, Nährstoffversorgung und Lebensstil tatsächlich für Haut und Haare bewirken und wo stößt das Konzept an seine Grenzen?
Carolin Otzelberger: Sehr viel! Haut und Haare sind in vielerlei Hinsicht ein Spiegel unserer Lebensgewohnheiten. Unser Körper kann sie schließlich nur so gut aufbauen und versorgen, wie ihm die notwendigen Bausteine in Form von Nährstoffen zur Verfügung stehen. Von einer guten Nährstoffversorgung und einem funktionierenden Stoffwechsel profitiert deshalb immer auch unser äußeres Erscheinungsbild.
Gleichzeitig gibt es natürlich Faktoren, die wir nicht beeinflussen können. Unsere Gene spielen eine wichtige Rolle – nicht jeder Mensch hat beispielsweise die genetischen Voraussetzungen für besonders dickes, fülliges Haar, selbst bei einem optimalen Lifestyle. Auch Erkrankungen oder bestimmte Medikamente können sich auf Haut und Haare auswirken.
Mein Ansatz ist deshalb: Wir sollten das tun, was wir tatsächlich beeinflussen können – also auf einen gesunden Lebensstil und eine gute Nährstoffversorgung achten. Gleichzeitig dürfen wir akzeptieren, dass nicht alles in unserer Hand liegt.
Kann unsere Haut ein Frühwarnsystem für das sein, was im Körper passiert? Welche Veränderungen an Haut oder Haaren sollte man deiner Meinung nach nicht einfach mit einem neuen Pflegeprodukt beantworten?
Carolin Otzelberger: Absolut. Wenn beispielsweise plötzlich vermehrt Haare ausfallen oder die Haut sehr trocken und rissig wird, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Dahinter können unter anderem Defizite bei wichtigen Nährstoffen wie Eisen, Zink oder B-Vitaminen stecken.
Auch die Darmgesundheit sollte man dabei nicht außer Acht lassen. Der Zustand unserer Haut kann durchaus widerspiegeln, was an anderer Stelle im Körper passiert. Deshalb würde ich bei länger anhaltenden oder wiederkehrenden Hautproblemen nicht ausschließlich äußerlich mit neuen Pflegeprodukten arbeiten, sondern immer auch überlegen: Was könnte der Körper von innen brauchen
Du arbeitest viel mit funktioneller Blutanalytik. Welche Blutwerte können besonders relevant sein, wenn jemand trotz guter Ernährung und Hautpflege mit fahler Haut, Haarausfall oder wenig Energie kämpft?
Carolin Otzelberger: Ein wichtiger Wert ist Ferritin, also der Eisenspeicher. Darüber hinaus schaue ich mir unter anderem Magnesium, Kupfer und Zink an – idealerweise im Vollblut – sowie die Versorgung mit B-Vitaminen.
Da es relativ aufwendig und teuer ist, sämtliche B-Vitamine einzeln bestimmen zu lassen, konzentriert man sich häufig auf Folsäure beziehungsweise Vitamin B9 und Vitamin B12. Bei einer Supplementierung kann dann ein B-Komplex sinnvoll sein, der auch B2, also Riboflavin, B3 beziehungsweise Niacin und Biotin enthält – alles Nährstoffe, die auch für Haut und Haare eine wichtige Rolle spielen.
Auch die Darmgesundheit wird immer häufiger mit unreiner oder entzündlicher Haut in Verbindung gebracht. Wie eng hängen Darm und Haut dabei tatsächlich zusammen?
Carolin Otzelberger: Darm und Haut hängen enger zusammen, als viele denken. Besonders gut untersucht sind Zusammenhänge zwischen der Darmgesundheit und Hauterkrankungen wie Rosacea, Neurodermitis oder Psoriasis.
Aus der Erfahrungsmedizin kennen wir darüber hinaus die Beobachtung, dass sich eine starke Belastung von Darm und Leber auch über das Hautbild bemerkbar machen kann. Manche kennen beispielsweise das Phänomen, dass sich die Haut während einer Detox-Kur zunächst verändert.
Grundsätzlich wissen wir, dass entzündliche Prozesse im Darm – auch solche, die man zunächst gar nicht bemerkt – Entzündungsprozesse an anderen Stellen des Körpers beeinflussen können. Dazu können neben der Haut beispielsweise auch die Gelenke gehören.
Ein Schwerpunkt deiner Arbeit sind Frauen nach der Schwangerschaft und Geburt. Was wird in dieser Phase gesundheitlich häufig unterschätzt und welche Nährstoffe oder körperlichen Veränderungen sollte man besonders im Blick behalten?
Carolin Otzelberger: Ich glaube, wir unterschätzen völlig, welche enorme Leistung der weibliche Körper während Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit vollbringt. Wenn man sich bewusst macht, dass ein Baby in dieser Zeit vollständig über den Körper der Mutter versorgt wird, wird schnell klar, wie viele Ressourcen dafür benötigt werden.
Die klassischen Empfehlungen zur Nährstoffversorgung während der Schwangerschaft orientieren sich verständlicherweise stark am Bedarf des Kindes – etwa Folsäure zur Prävention von Neuralrohrdefekten oder Jod für die frühkindliche Gehirnentwicklung. Was dabei meiner Erfahrung nach manchmal zu wenig Aufmerksamkeit bekommt, ist die Versorgung der Mutter selbst.
Das Baby wird sehr zuverlässig mit dem versorgt, was es benötigt. Sind jedoch nicht genügend Nährstoffe für beide vorhanden, können bei der Mutter Defizite entstehen. Schwangerschaft, eine anstrengende Geburt und anschließend möglicherweise viele Monate Stillzeit können diese zusätzlich verstärken.
Besonders Mineralstoffe wie Eisen, Magnesium, Zink und Selen, aber auch B-Vitamine und Omega-3-Fettsäuren sollte man deshalb im Blick behalten. Mögliche Folgen einer unzureichenden Versorgung können Energiemangel, Schlafprobleme, depressive Verstimmungen, Haarausfall oder Gereiztheit sein. Gerade in dieser Lebensphase finde ich es wichtig, solche Symptome nicht vorschnell als unvermeidbare Begleiterscheinung des Mutterseins abzutun.
Was ist dir in der Arbeit mit deinen Kundinnen und Kunden besonders wichtig und was zeichnet deinen persönlichen Ansatz bei SMART & HEALTHY aus?
Carolin Otzelberger: Nährstoffdefizite auszugleichen ist für mich häufig der erste und ein sehr wichtiger Schritt. Ich erlebe immer wieder, dass Frauen bereits innerhalb weniger Wochen merken, dass es ihnen damit deutlich besser geht.
Für ein nachhaltig gutes Energielevel reicht es meiner Erfahrung nach aber nicht immer, ausschließlich auf die körperliche Ebene zu schauen. Auch unsere Denk- und Verhaltensmuster spielen eine große Rolle. Perfektionismus, ein starkes Kontrollbedürfnis oder permanent hohe Ansprüche an sich selbst können unglaublich viel Energie kosten, ohne dass uns das überhaupt bewusst ist.
Wenn der Körper irgendwann nicht mehr so funktioniert, wie wir es gewohnt sind, kann das deshalb auch eine Chance sein, bisherige Prioritäten und Verhaltensweisen zu hinterfragen. Genau hier setzt mein Ansatz an:
Ich verbinde die körperliche Ebene mit dem Mindset. Gemeinsam schauen wir, wo eine Frau sich möglicherweise selbst unnötig unter Druck setzt und wie mehr echte Self-Care und Gelassenheit in ihr Leben kommen können.
Du siehst viele Laborbefunde und Ernährungsgewohnheiten. Welche Erkenntnis über den eigenen Körper sorgt bei deinen Kundinnen und Kunden besonders oft für einen Aha-Moment?
Carolin Otzelberger: Für viele ist es tatsächlich überraschend, dass man sich sehr gesund ernähren und trotzdem relevante Nährstoffdefizite haben kann. Die Vorstellung „Ich esse gesund, also bin ich automatisch mit allem optimal versorgt“ ist sehr verbreitet.
In meiner Arbeit sehe ich jedoch bestimmte Nährstoffdefizite immer wieder – auch bei Frauen, die sehr bewusst essen und grundsätzlich einen gesunden Lifestyle pflegen. Umso größer ist häufig der Aha-Moment, wenn wir gezielt an der individuellen Versorgung arbeiten und sich innerhalb einiger Wochen etwas verändert: mehr Energie, bessere Stimmung oder erholsamerer Schlaf. Für viele ist das der Moment, in dem sie merken, wie stark die Nährstoffversorgung tatsächlich das eigene Wohlbefinden beeinflussen kann.
Longevity wird gerade stark über Routinen, Wearables, Tests und Supplements verkauft. Was sind aus deiner Sicht die deutlich unspektakuläreren Faktoren, die wir für gesundes Altern immer noch unterschätzen?
Carolin Otzelberger: Eigentlich wissen wir ziemlich genau, was uns langfristig guttut. Das Problem ist nur: Die wichtigsten Dinge sind oft erstaunlich unspektakulär – und teilweise unbequem in der konsequenten Umsetzung.
Regelmäßige Bewegung, ausreichend langer und erholsamer Schlaf, viel Tageslicht, Zeit in der Natur, gute soziale Beziehungen und eine Ernährung mit möglichst vielen natürlichen, hochwertigen Lebensmitteln: Das klingt nicht besonders revolutionär, ist aber aus meiner Sicht die Basis.
Wir suchen beim Thema Longevity gerne nach dem nächsten Hack. Dabei sind es häufig die einfachen Dinge, die wir jeden Tag tun, die langfristig den größten Unterschied machen.
Wenn du einer Frau drei Dinge empfehlen dürftest, die sie ab morgen für gesunde Haut, stabile Energie und langfristiges Wohlbefinden tun kann, welche wären das?
Carolin Otzelberger: An erster Stelle steht für mich echte Self-Care. Und damit meine ich nicht unbedingt die nächste Gesichtsmaske oder einen Wellness-Tag, sondern sich ehrlich zu fragen: Was tut mir gut? Was brauche ich wirklich? Viele Frauen sind unglaublich stark darauf ausgerichtet, zu funktionieren und die Erwartungen anderer zu erfüllen. Die eigenen Bedürfnisse überhaupt wieder wahrzunehmen, ist deshalb oft schon ein wichtiger Schritt.
Zweitens würde ich empfehlen, die eigene Nährstoffversorgung einmal genauer anzuschauen und gegebenenfalls über eine funktionelle Blutanalyse zu überprüfen, wo tatsächlich Bedarf besteht. Denn körperlich und mental können wir uns langfristig nur gut fühlen, wenn unserem Stoffwechsel die notwendigen Bausteine in ausreichender Menge zur Verfügung stehen.
Und mein dritter Punkt ist vielleicht der schönste: möglichst viel lachen und gute Beziehungen pflegen. Denn bei all den Diskussionen über Ernährung, Supplements, Routinen und Longevity sollten wir nicht vergessen, dass Lebensfreude und Menschen, mit denen wir uns wirklich wohlfühlen, ebenfalls einen enormen Wert für unser Wohlbefinden haben.
Wir bedanken uns bei Carolin für das interessante Interview. Mehr Informationen findet ihr unter https://www.carolin-otzelberger.de.






