PDRN, Reis und Peptide: Die aktuellen K-Beauty-Wirkstoffe erklärt
K-Beauty setzt 2026 verstärkt auf Hautbarriere, Feuchtigkeit und Regeneration. Besonders PDRN, Reis und Peptide tauchen aktuell in Seren, Cremes, Essences und Masken auf. Die drei Wirkstoffgruppen verfolgen jedoch unterschiedliche Ziele und lassen sich deshalb kaum direkt miteinander vergleichen.
PDRN soll die Haut bei ihrer Regeneration unterstützen
PDRN ist der auffälligste Newcomer unter den drei Wirkstoffen. Die Abkürzung steht für Polydeoxyribonucleotide, vereinfacht gesagt kleine DNA-Fragmente. Klassisches PDRN wird meist aus gereinigter DNA von Lachs oder Forelle gewonnen. Inzwischen beschäftigen sich Forschung und Kosmetikindustrie auch mit pflanzlichen, mikrobiellen und biotechnologisch hergestellten Varianten. Ob diese dieselbe Wirkung wie etablierte PDRN-Formen besitzen, lässt sich derzeit aber noch nicht sicher sagen.
Neu ist der Stoff selbst nicht. PDRN wird seit Jahren in der regenerativen Medizin untersucht und unter anderem mit Wundheilung und Gewebeerneuerung in Verbindung gebracht. Eine mögliche Erklärung dafür ist seine Wirkung auf bestimmte Andockstellen der Zellen, die sogenannten Adenosin-A2A-Rezeptoren. Daneben könnten Bestandteile des PDRN den Zellen Bausteine zur Verfügung stellen, die sie für Reparaturprozesse benötigen.
Genau diese Verbindung zur Regeneration macht PDRN für Skincare-Marken interessant. Trotzdem lohnt sich eine klare Unterscheidung: Daten aus medizinischen oder injizierten Anwendungen lassen sich nicht automatisch auf ein Serum übertragen. Bei einer Creme muss der Stoff zuerst die Haut erreichen und dort in geeigneter Form verfügbar sein.
Eine im Juli 2026 veröffentlichte Studie liefert dazu neue Hinweise. 31 Frauen zwischen 35 und 55 Jahren verwendeten vier Wochen lang an einer Gesichtshälfte eine Augencreme mit 0,1 Prozent PDRN und an der anderen eine Creme mit 0,1 Prozent Retinol. Gemessen wurden unter anderem Fältchen, Hautdichte und Elastizität. Die PDRN-Seite zeigte bei mehreren Werten Verbesserungen. Die Studie untersuchte allerdings nur eine kleine Gruppe über 28 Tage, zudem waren mehrere Autoren mit Unternehmen aus dem Bereich Hautpflege verbunden. Das Ergebnis ist deshalb spannend, aber noch kein Beweis dafür, dass jedes kosmetische PDRN-Produkt vergleichbar wirkt.
Reis bringt Feuchtigkeit und Glow in sanfte Pflegeroutinen
Reis gehört schon lange zu asiatischen Beauty-Ritualen und erlebt mit dem aktuellen Barrier-Trend ein Comeback. Hinter dem Begriff steckt allerdings kein einzelner Wirkstoff. Auf INCI-Listen finden sich beispielsweise Rice Extract, Rice Bran Extract, Rice Ferment oder Rice Bran Oil.
Je nach Verarbeitung enthält Reis unterschiedliche Fette, antioxidativ wirkende Pflanzenstoffe und weitere Bestandteile. Reviews beschreiben für verschiedene Reisextrakte vor allem feuchtigkeitsspendende, beruhigende und antioxidative Eigenschaften. Auch die Hautbarriere könnte profitieren. Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt jedoch davon ab, welcher Extrakt eingesetzt wird und wie das gesamte Produkt formuliert ist.
Besonders typisch für K-Beauty sind fermentierte Reisbestandteile. Bei der Fermentation verändern Mikroorganismen die Zusammensetzung des Ausgangsstoffs. Dabei können kleinere Moleküle und neue Verbindungen entstehen. Erste Untersuchungen sprechen für interessante Effekte auf Feuchtigkeit und Hautbarriere, doch auch hier unterscheiden sich die verwendeten Fermente deutlich. Ein pauschales Versprechen für „Rice Ferment“ wäre deshalb zu viel.
Peptide sind keine einzelne Anti-Aging-Zutat
Peptide bestehen aus kurzen Ketten von Aminosäuren, also den Bausteinen von Eiweiß. Je nach Aufbau können sie unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Einige sollen der Haut bestimmte Signale geben, andere transportieren Stoffe wie Kupfer.
In der Hautpflege werden Peptide vor allem eingesetzt, um ein glatteres, gepflegteres Hautbild zu unterstützen. Bestimmte Peptide stehen zudem im Zusammenhang mit Prozessen, an denen Kollagen und die stützende Struktur der Haut beteiligt sind. Sie gelten häufig als interessante Option für sanfte Anti-Aging-Routinen, besonders wenn stärkere Wirkstoffe wie Retinoide oder Säuren schlecht vertragen werden.
Eine systematische Auswertung von 19 kontrollierten Studien aus dem Jahr 2026 fand insgesamt positive Effekte bei einigen Zeichen der Hautalterung. Die Ergebnisse unterschieden sich allerdings stark nach Peptid, Anwendung und untersuchtem Wert. Besonders wichtig: Nur zwei der ausgewerteten hochwertigen Studien beschäftigten sich mit aufgetragenen Peptiden. Der Großteil der Daten stammte von oral eingenommenen Produkten. Der Aufdruck „Peptide Complex“ allein sagt deshalb wenig darüber aus, was eine Creme tatsächlich leisten kann.
PDRN, Reis und Peptide funktionieren auch zusammen
Die Wirkstoffe müssen sich nicht gegenseitig ersetzen. Reis passt gut in den feuchtigkeitsspendenden Teil der Routine, Peptide ergänzen eine sanfte Pflege für Hautstruktur und PDRN kann als regenerativ ausgerichteter Schritt eingesetzt werden.
Morgens kann die Reihenfolge etwa Reis-Toner oder Essence, Peptid-Serum, Feuchtigkeitscreme und Sonnenschutz lauten. Abends reichen nach einer milden Reinigung beispielsweise PDRN-Serum oder PDRN-Creme und eine Barrier-Cream.
Auch Retinol, Vitamin C oder Säuren sind nicht grundsätzlich tabu. Entscheidend ist, wie empfindlich die Haut reagiert und wie das jeweilige Produkt formuliert wurde. Wer schnell mit Rötungen oder Trockenheit reagiert, sollte neue Produkte einzeln einführen, statt mehrere aktive Pflegeprodukte gleichzeitig zu starten.
Die INCI-Liste verrät mehr als der Trendname
Bei PDRN lohnt es sich zu prüfen, ob tatsächlich PDRN beziehungsweise entsprechende Polynucleotide in der Zutatenliste auftauchen. Bei Reisprodukten macht es einen Unterschied, ob ein Extrakt aus dem Reiskorn, Reiskleie, Reisöl oder ein fermentierter Bestandteil enthalten ist.
Bei Peptiden wird es etwas komplizierter. Ein allgemeiner Hinweis auf einen „Peptide Complex“ verrät wenig über die enthaltenen Peptide. Je genauer ein Hersteller die verwendeten Stoffe nennt und seine Produktdaten erklärt, desto besser lässt sich der Claim einordnen.
Auch die Position eines Wirkstoffs in der INCI-Liste ist kein zuverlässiger Wirksamkeitsmesser. Viele aktive Stoffe werden bereits in kleinen Mengen eingesetzt, während genaue Konzentrationen bei Kosmetik häufig nicht veröffentlicht werden. Gerade bei PDRN, Reis und Peptiden zählt deshalb die gesamte Formulierung deutlich mehr als ein einzelner gehypter Begriff auf der Verpackung.
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