Beauty Talk mit This Place-Gründerin Laura Simonow
Laura Simonow gründete This Place nicht aus reinem Business-Kalkül, sondern aus dem Wunsch heraus, wissenschaftliche Präzision mit tiefer menschlicher Fürsorge zu verbinden. Für sie ist der eigene Körper der wichtigste Ort, den wir im Alltag viel zu oft aus den Augen verlieren. Im Gespräch erklärt sie, warum echte Schönheit ohne Optimierungswahn auskommt und was das Konzept der Functional Skincare wirklich bedeutet.
Liebe Laura, nimm uns mal mit zu deinen Anfängen: Welches persönliche Gefühl oder welches Defizit auf dem klassischen Kosmetikmarkt hat dich damals angetrieben, This Place zu gründen?
Laura Simonow: Der Ausgangspunkt war keine klassische Marktanalyse, sondern ein sehr persönliches Gefühl von Ohnmacht.
Meine Mutter war schwer krank, und ich begann damals, in ihrem Krankenzimmer erste Ideen zu Formulierungen zu entwickeln. Ich wollte etwas schaffen, das sie in dieser belastenden Zeit begleiten konnte. Nicht als Ersatz für Medizin. Sondern ergänzend über Pflege, Berührung und kleine wiederkehrende Momente, die Linderung, Ruhe und ein Gefühl von Selbstbestimmung geben können.
Ich komme aus einem wissenschaftlich-medizinischen Bereich und hatte mich schon lange mit natürlichen Inhaltsstoffen und ihrer Wirkung auf den Organismus beschäftigt. Durch die Erkrankung meiner Mutter wurde diese Auseinandersetzung jedoch plötzlich sehr konkret. Es ging nicht mehr nur um Forschung, Wirkstoffe oder Studien. Es ging um einen Menschen, den ich liebe. Um die Frage, wie sich wissenschaftliche Präzision und eine sehr menschliche Form von Fürsorge miteinander verbinden lassen.
Gleichzeitig habe ich im klassischen Kosmetikmarkt eine Lücke wahrgenommen. Pflege wurde häufig entweder sehr oberflächlich und ästhetisch gedacht oder stark über einzelne Trendwirkstoffe erzählt. Mir fehlten Produkte, die den Menschen als Ganzes betrachten und für konkrete körperliche Bedürfnisse entwickelt werden. Etwa für belastete Haut, Schlaf, zyklusbedingte Anspannung oder Phasen erhöhter körperlicher und emotionaler Beanspruchung.
Dabei wurde mir sehr klar: Der Körper funktioniert nicht in voneinander getrennten Systemen. Haut, Schlaf, Stress, Hormone, Geruch, Berührung und emotionales Erleben stehen in einem ständigen Austausch miteinander.
Aus dieser Haltung ist This Place entstanden: als funktionale Naturkosmetik, die natürliche Inhaltsstoffe, wissenschaftliche Erkenntnisse und sinnliche Rituale miteinander verbindet.
Euer Markenname This Place ist unglaublich metaphorisch. Welcher tiefere Gedanke steckt dahinter und wie hilft uns eure Pflege dabei, diesen ganz persönlichen „Ort“ wieder bewusster zu spüren?
Laura Simonow: Der Name This Place bezieht sich für mich auf den unmittelbarsten Ort, den wir uns selbst schaffen.
Wir verbringen unser gesamtes Leben in diesem Körper und Geist. Und dennoch verlieren wir im Alltag häufig die Verbindung zu ihm. Wir funktionieren, reagieren, erfüllen Erwartungen und nehmen unseren Körper oft erst dann wirklich wahr, wenn er müde wird, schmerzt oder deutlich signalisiert, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist.
This Place ist deshalb eine Einladung zur Rückkehr. Nicht an einen äußeren Ort, sondern zu sich selbst.
Funktionale Pflege kann dabei eine erstaunlich kraftvolle Rolle spielen. Wenn wir ein Produkt bewusst auftragen, berühren wir nicht nur unsere Haut. Wir nehmen wahr, wie wir uns fühlen. Wir verlangsamen uns für einen Moment. Textur, Duft und Berührung können zu einem körperlichen Signal werden: Ich bin hier. Ich nehme mich wahr. Ich kümmere mich um mich.
Dabei geht es nicht um aufwendige Routinen oder eine weitere Aufgabe auf einer ohnehin vollen Liste. Im Gegenteil. Unsere Rituale sollen niedrigschwellig und intuitiv sein. Sie sollen sich in das wirkliche Leben integrieren und kleine Momente schaffen, in denen wir wieder Zugang zu diesem persönlichen Ort finden.
Mit eurem Periodenbalsam The Hug habt ihr ein Thema angepackt, das die klassische Beauty-Welt jahrelang ignoriert hat. Warum gehört die Unterstützung bei zyklusbedingten Beschwerden für dich ganz selbstverständlich in den Bereich von Selfcare und Pflege?
Laura Simonow: Weil Selfcare für mich nicht dort endet, wo klassische Schönheitspflege aufhört.
Zyklusbedingte Beschwerden sind für sehr viele Menschen ein wiederkehrender Teil ihres Lebens. Trotzdem wurden sie lange entweder bagatellisiert oder ausschließlich als medizinisches Problem ohne großen Lösungsaufwand betrachtet. Zwischen diesen beiden Perspektiven fehlte ein Raum: Produkte und Rituale, die das körperliche Erleben ernst nehmen und Frauen in diesen Momenten konkret begleiten.
Ein Zyklus ist keine Störung. Aber die Beschwerden, die ihn begleiten können, sind real. Sie können den Alltag, das Wohlbefinden, die Konzentration und das Verhältnis zum eigenen Körper beeinflussen.
The Hug ist aus dem Gedanken entstanden, diese Erfahrung nicht länger auszuklammern. Das bewusste Einmassieren eines Balsams, die Wärme der Hände, der Duft und der Moment der Zuwendung können dabei helfen, den angespannten Körper bewusster wahrzunehmen und ihm Aufmerksamkeit zu geben. Natürlich begleutend von einer wirksamen und wissenschaftlichen Formulierung.
Für mich ist das keine Nebensache und auch kein Lifestyle-Thema. Es ist Teil einer zeitgemäßen Form von Pflege, die weibliche Lebensrealitäten nicht ignoriert. Selfcare bedeutet nicht, Beschwerden schönzureden. Es bedeutet, den eigenen Körper ernst zu nehmen und Wege zu finden, ihn in unterschiedlichen Phasen respektvoll zu unterstützen.
4. Ihr bezeichnet eure Produkte als Functional Skincare. Was genau bedeutet dieser Ansatz im Alltag und wie unterscheidet sich diese funktionale Pflanzenkosmetik von der klassischen Naturkosmetik, die man sonst so kennt?
Laura Simonow: Functional Skincarebedeutet für uns, dass natürliche Inhaltsstoffe nicht allein aufgrund ihrer Herkunft oder Hype ausgewählt werden, sondern aufgrund ihrer konkreten Funktion innerhalb einer Formulierung, die evidenzbasierte Hebelwirkungen zwischen den Inhaltsstoffen sucht. Und echte Alltagsprobleme löst.
Natürlichkeit ist für uns kein Selbstzweck. Ein Inhaltsstoff ist nicht automatisch wirksam, nur weil er pflanzlichen Ursprungs ist. Entscheidend sind seine Eigenschaften, seine Qualität, seine Konzentration und sein Zusammenspiel mit den übrigen Bestandteilen einer Formulierung.
Wir beginnen deshalb jedes Produkt mit einem konkreten Bedürfnis: Welche körperliche Situation möchten wir begleiten? Welche Wirkmechanismen sind dabei relevant? Welche Inhaltsstoffe können sich sinnvoll ergänzen? Und in welcher Konzentration müssen sie eingesetzt werden, um nicht nur auf dem Etikett präsent zu sein, sondern innerhalb der Formulierung eine tatsächliche Funktion miteinander zu erfüllen?
Gerade im Zusammenspiel entsteht häufig eine besondere Hebelwirkung. Ein einzelner Wirkstoff kann wertvoll sein. Doch erst die richtige Kombination und Dosierung können dazu führen, dass sich unterschiedliche Eigenschaften gegenseitig ergänzen, etwa Feuchtigkeitsversorgung, Schutz der Hautbarriere, antioxidative Wirkung und Hautberuhigung.
Gleichzeitig betrachten wir ein Produkt nie nur biochemisch. Auch Textur, Duft und Art der Anwendung sind Teil seiner Funktion. Denn selbst die wissenschaftlich überzeugendste Formulierung kann nur dann langfristig wirken, wenn Menschen sie gerne und regelmäßig verwenden.
Functional Skincare verbindet für uns deshalb drei Ebenen: wissenschaftlich begründete Wirkstoffauswahl, präzise pflanzliche Formulierungen und eine sensorische Erfahrung, die sich selbstverständlich in den Alltag integrieren lässt.
Wenn du ein neues Produkt für This Place konzipierst: Welches Bedürfnis moderner Menschen steht für dich im Fokus und wie langwierig ist der Prozess, bis eine pflanzliche Formulierung deinen eigenen Ansprüchen genügt?
Laura Simonow: Wir beginnen nie mit der Frage, welches Produkt noch in unserem Sortiment fehlt. Wir beginnen mit einem menschlichen Bedürfnis aus unserer Community heraus.
Dabei interessieren mich besonders jene Situationen, in denen körperliche und emotionale Belastung zusammenkommen: Schlafmangel, Stress, zyklusbedingte Veränderungen, Spannungsgefühle, irritierte Haut oder Phasen, in denen der Körper besonders viel leisten muss.
Wir fragen zunächst sehr genau: Was erleben Menschen in diesem Moment? Was fehlt ihnen? Und kann ein kosmetisches Produkt hier einen sinnvollen, ehrlichen Beitrag leisten?
Erst danach beginnt die eigentliche Entwicklung. Wir recherchieren Wirkstoffe, prüfen wissenschaftliche Erkenntnisse und untersuchen, welche Inhaltsstoffe sich funktional ergänzen könnten.
Häufig verändern bereits kleine Anpassungen das gesamte Produkt. Eine höhere Konzentration kann beispielsweise funktional interessant sein, aber die Textur oder Hautverträglichkeit beeinflussen. Deshalb muss jede Ebene immer wieder neu austariert werden.
Eine Formulierung genügt meinen Ansprüchen erst dann, wenn sie wissenschaftlich nachvollziehbar ist, sensorisch überzeugt und ein reales Bedürfnis auf eine Weise begleitet, die sich weder übertrieben noch beliebig anfühlt.
Die Beauty-Industrie neigt dazu, uns einzureden, wir müssten ständig optimiert, jünger oder makelloser sein. Welche Werte und welche Haltung setzt This Place diesem oft toxischen Optimierungswahn ganz bewusst entgegen?
Laura Simonow: Ich glaube nicht, dass unser Körper ein Projekt ist, das ununterbrochen korrigiert werden muss.
Die Beauty-Industrie hat lange davon gelebt, Unsicherheiten zu erzeugen und anschließend Lösungen für diese Unsicherheiten zu verkaufen. Falten, Poren, Müdigkeit oder körperliche Veränderungen werden zu Fehlern erklärt, obwohl sie häufig ein vollkommen normaler Teil des Lebens sind.
Diese Perspektive möchten wir bei This Place nicht reproduzieren. Wir wollen Menschen nicht das Gefühl geben, dass sie erst etwas verändern müssen, bevor sie sich wohlfühlen oder Fürsorge verdienen.
Für uns geht es nicht um Perfektion, sondern um Prävention. Um die Beziehung zum eigenen Körper. Um Respekt, Selbstbestimmung und das Wissen, dass Pflege unterstützen darf, ohne ein Defizit zu konstruieren.
Das bedeutet nicht, dass sichtbare Ergebnisse unwichtig sind. Unsere Produkte sollen funktional sein und konkrete Bedürfnisse adressieren. Aber die Motivation dahinter ist eine andere. Wir entwickeln nicht gegen den Körper, sondern für ihn. Nicht gegen das Alter, sondern für eine Haut, die in jeder Lebensphase möglichst gut unterstützt wird. Nicht für Makellosigkeit, sondern für Wohlbefinden, Stabilität und ein Gefühl von Verbindung.
Welches tägliche Ritual abseits von Hautpflege gehört für dich untrennbar zu einer gesunden Ausstrahlung dazu?
Laura Simonow: Für mich ist es ein bewusster Moment ohne Input.
Unser Nervensystem ist heute fast permanent mit Informationen beschäftigt. Nachrichten, Termine, Entscheidungen und digitale Reize lassen kaum noch echte Zwischenräume zu. Ich versuche deshalb, mir jeden Tag wenigstens einen kurzen Moment zu nehmen, in dem nichts Neues von außen hinzukommt. Das kann ein Spaziergang ohne Telefon sein oder eine kurze Phase von NSDR – Non-Sleep Deep Rest –, also eine bewusst herbeigeführte tiefe Ruhephase zwischen Wachsein und Schlaf. Für mich geht es dabei nicht darum, besonders diszipliniert oder optimiert zu sein. Es geht um Regulation. Um einen Moment, in dem der Körper nicht reagieren oder leisten muss.
Ich glaube, dass eine gesunde Ausstrahlung sehr viel weniger mit äußerer Perfektion zu tun hat, als wir denken. Schlaf, Erholung und ein reguliertes Nervensystem werden sichtbar. Nicht als makellose Oberfläche, sondern als Präsenz.
Wenn wir auf die kommenden Jahre blicken: Wohin soll die Reise mit der Brand gehen und wie möchtet ihr eure Produktwelt weiter ausbauen?
Laura Simonow: Ich möchte This Place zu einer prägenden Marke an der Schnittstelle von funktionaler Hautpflege, Ritual und moderner Selfcare weiterentwickeln.
Dabei möchten wir unsere Produktwelt gezielt in jenen Bereichen vertiefen, in denen Pflege einen wirklichen Unterschied im Alltag machen kann: bei Schlaf und Regeneration, zyklusbezogenen Bedürfnissen, körperlicher Anspannung, sensibler oder irritierter Haut und in Phasen, in denen Menschen eine besondere Form von Unterstützung brauchen.
Langfristig sehe ich This Place einige neue Produkte und nicht nur in der Kategorie Skincare. Ich sehe uns als eine Marke für präventive Selbstfürsorge: mit Produkten und Ritualen, die Menschen dabei unterstützen, früher auf ihren Körper zu hören, nicht erst dann, wenn er sehr laut werden muss.
Wir bedanken uns bei Laura für das interessante Interview. Mehr Informationen findet ihr unter https://this.place und @thisplaceorganics.
Titelbild: ©This Place



