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Wenn die Routine selbst zum Stressfaktor wird

Schlaf ist für viele zum Projekt geworden: Tracker am Handgelenk, Magnesium auf dem Nachttisch, ein Abendritual mit festen Regeln. 85 Prozent der Deutschen möchten ihren Schlaf aktiv optimieren – für drei von vier erzeugt die Flut an möglichen Maßnahmen aber mehr Stress als Erholung. Was hilft auf der Suche nach erholsamem Schlaf also wirklich?

Der Wunsch nach besserem Schlaf betrifft nicht nur Menschen, die schlecht schlafen

Wie stark das Thema Schlaf die Menschen in Deutschland inzwischen beschäftigt, zeigt die Studie Sleepmaxxing: Projekt Schlaf 2026. Dafür hat das Marktforschungsinstitut INNOFACT AG im Auftrag von RAVENSBERGER Matratzen im März 2026 1.040 Personen ab 18 Jahren repräsentativ befragt.

Das Ergebnis: 40 Prozent stufen ihre aktuelle Schlafqualität als eher nicht gut oder schlecht ein. Der Wunsch nach Verbesserung geht aber weit über diese Gruppe hinaus . 85 Prozent ist es wichtig, ihren Schlaf aktiv zu optimieren – also auch sehr vielen, die eigentlich gut schlafen. Sleepmaxxing ist der Versuch, den Schlaf mit möglichst vielen Methoden zu verbessern, und kein Nischenthema einiger weniger Biohacker mehr.

Aus Selbstfürsorge wird schnell ein weiterer Punkt auf der To-do-Liste

53 Prozent der Befragten geben zu, dass sich Schlaf für sie manchmal wie eine Aufgabe anfühlt, die erledigt werden muss. Ausgerechnet die Erholungsphase wird so zu einem Task auf einer ohnehin langen Liste, der abgehakt werden muss.

Besonders deutlich zeigt sich das bei denen, die Erholung am dringendsten bräuchten: Von den schlecht Schlafenden empfinden 73 Prozent den Schlaf immer wieder als Arbeit, bei den gut Schlafenden sind es immer noch ganze 40 Prozent.

„Wer unter Schlafproblemen leidet, reagiert auf gut gemeinte Optimierungsversuche häufig mit noch mehr Anspannung. Entspannung lässt sich aber nicht erzwingen – sie ist das Ergebnis von Entlastung, nicht von weiterer Leistung. Genau an diesem Punkt kippt Sleepmaxxing für viele ins Gegenteil.“ – Schlafcoach Daniel Gonnermann

Nicht das Tracking belastet, sondern die Menge an Regeln

Naheliegend wäre jetzt vielleicht, die Schuld beim Schlaftracking zu suchen. Tracking ist immerhin weit verbreitet: Ein Viertel der Befragten nutzt aktuell entsprechende Apps. 66 Prozent davon haben ihr Verhalten tagsüber bereits auf Basis der gemessenen Daten angepasst.

Die Daten zeigen aber: 63 Prozent der aktiven Tracker:innen empfinden das Messen nur wenig oder gar nicht als Belastung, lediglich 9 Prozent fühlen sich dadurch wirklich unter Druck gesetzt.

Was wirklich belastet, zeigt sich quer durch alle Gruppen: Für 76 Prozent erzeugen zu viele Optimierungsmaßnahmen mehr Stress als Erholung. 68 Prozent finden, dass es schlicht zu viele Regeln gibt, wie man angeblich richtig schläft.

Probiert wird fast alles, von Magnesium bis Mouth Taping

Folgende Hilfsmittel werden laut Studie besonders oft getestet: 54 Prozent haben schon einmal Supplements wie Melatonin oder Magnesium genutzt, 53 Prozent Schlaftee oder Naturmittel, 52 Prozent Meditation und Atemübungen. Es folgen Blaulichtfilter und Bildschirmverzicht (37 Prozent), Schlaf-Playlists oder White Noise (30 Prozent) sowie Atmungshilfen und Nasenstrips (23 Prozent). Zwischen 20 und 30 Prozent wenden solche Methoden sogar regelmäßig an.

Interessant ist: Mouth Taping, der wohl bekannteste und umstrittenste Trend aus dem Feed, kommt auf gerade einmal 11 Prozent. Positive Effekte durch Mouth Taping zeigten sich der bislang vorliegenden Forschung zufolge nur bei milder Schlafapnoe ohne verengte Atemwege. Wer aber wegen Schnupfen, Allergien oder einer verkrümmten Nasenscheidewand schlecht durch die Nase atmet, riskiert beim Mouth Taping ohne ärztliche Abklärung ernste Folgen. Halten Schlafprobleme länger an, sollte die Ursache für die Schlafstörungen ohnehin ärztlich abgeklärt werden.

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Am häufigsten werden verschiedene Supplements für verbesserten Schlaf getestet. ©RAVENSBERGER Matratzen GmbH

Die Tipps stammen selten aus der Arztpraxis

Woher kommen all diese Regeln für guten Schlaf eigentlich? 41 Prozent recherchieren Tipps für guten Schlaf selbst, etwa im Internet. 26 Prozent fragen Freunde oder Familie, 24 Prozent holen ärztlichen Rat ein, 23 Prozent informieren sich über Medien und Artikel, 13 Prozent über Social Media. Bei den 18- bis 29-Jährigen liegt Social Media mit 26 Prozent noch vor dem ärztlichen Rat mit 20 Prozent.

„Das Internet und Social Media sind nicht per se schlechte Informationsquellen – im Gegenteil, sie senken Hemmschwellen und schaffen zusätzliches Bewusstsein für das Thema Schlaf. Professionellen Rat ersetzen sie aber nicht. Außerdem kursieren gerade online auch häufig Falschinformationen oder gefährliche Halbwahrheiten, die man unbedingt mit Vorsicht genießen sollte.“ – Schlafcoach Daniel Gonnermann

Vielen helfen die unauffälligen Basics am meisten

Bemerkenswert ist, dass die Befragten oft bereits wissen, was ihnen hilft. Auf die Frage nach dem langfristig wirksamsten Hebel für guten Schlaf landen weder Apps noch Supplements vorn. 75 Prozent nennen Gewohnheiten und Routinen, 73 Prozent eine passende Matratze und ein passendes Kissen. Technische Hilfsmittel kommen auf 13 Prozent, neueste Trends und Social-Media-Tipps auf 4 Prozent.

Auch spannend: Von hypothetischen 500 Euro für besseren Schlaf würden 55 Prozent zuerst in Matratze oder Topper investieren, weitere 10 Prozent ins Kopfkissen. Dabei haben sich 88 Prozent zwar schon einmal aktiv mit ihrer Matratzen- oder Kissenwahl beschäftigt – beraten ließen sich dabei aber nur 47 Prozent, davon nur 23 Prozent ausführlich.

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Obwohl die Qualität der Matratze maßgeblich für guten Schlaf ist, lassen sich nur wenige dazu beraten ©RAVENSBERGER Matratzen GmbH

Weniger Regeln sind oft die bessere Routine

Was heißt all das jetzt für Deinen Abend? Es bedeutet, dass die Lösung selten in noch einer Maßnahme mehr liegt. Schlafcoach Daniel Gonnermann empfiehlt für besseren Schlaf, das Handy mindestens 30 Minuten vor dem Schlafen wegzulegen, da das Gehirn nach Social Media und News schlicht nicht abschalten kann. Dazu kommen verlässliche Schlafenszeiten, an die Du Dich auch am Wochenende hältst. Bei der Matratzenwahl lohnt es sich außerdem, sich ausführlich beraten zu lassen, statt zum nächsten Quick-Fix zu greifen.

Sleepmaxxing funktioniert also durchaus, wenn die Basics stimmen und es nicht übertrieben wird. Wer zum Beispiel nach einem Abendritual ohne Leistungsanspruch sucht, findet in ruhigen Routinen wie Akupressur eine sanfte Variante.