Fashion Week in Berlin: Die Highlights vom Catwalk

[dropcap size=big]K[/dropcap]napp eine Woche dauerte der wilde Parforceritt durch Stoffe, Farben und Stile. Sowohl bei den Shows als auch auf den mittlerweile nahezu unzähligen Modemessen konnte Frau und Mann erblicken, was im nächsten Sommer im Kleiderschrank hängen sollte – nach Meinung der Designer. Beautypunk war auch im Getümmel. Wir haben uns unsere eigene Meinung über die Sommerlooks 2016 gebildet …

Farbenfroh vs. Schwarz-Weiß
Klotzen statt Kleckern war der Leitspruch einiger Designer hinsichtlich der Farbenpracht ihrer Kollektion. Besonders tief in die Malerkiste griffen u. a. Kilian Kerner, dessen Palette von Orange, Blau, Giftgrün oder Rosa reichte. Auch Rebekka Ruetz demonstrierte Lust auf Farbe. Kein Wunder, wenn Frida Kahlo Patin für die Kollektion stand. Tiefes Orange, feuriges Rot und leidenschaftliches Lila dominierten die Kollektion. Bei Bobby Kolade ging es ebenfalls recht farbenfreudig zu. In der – vom Hip Hop und dessen Stilikonen inspirierten Kollektion – trafen Blau, Rot, Grün und Gelb auf Silber und Metallic. Dazu kamen Grau, Bordeaux und Weiß. Was gänzlich fehlte, war Schwarz. Ein echter Party-Kracher, was Bobby Kolade da gezaubert hat.

Rebekka Ruétz

Rebekka Ruétz

Dem gegenüber standen die Entwürfe von Esther Perbandt, Augustin Teboul und Irene Luft: Viel Schwarz, ein bisschen Weiß und zartes Creme hinterließen einen coolen Eindruck. Besonders die Stickereien beim deutsch-französischen Talent-Duo Augustin Teboul fielen positiv auf, genauso wie die Gegensätzlichkeit bei Irene Luft. Da gingen zarteste Kleider und Lederharnesse eine zugleich erotische als auch elegante Verbindung ein.

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©Peter Michael Dills & Harrison Frazer/Getty Images

©Peter Michael Dills & Harrison Frazer/Getty Images

Trägerfreundlich
Als besonders tragbar erwieß sich erneut die Kollektion von Hien Le. Bereits in der letzten Saison überzeugte er mit gut geplanten Schnitten und sportlicher Eleganz. Die von der Tennismode der 70er-Jahre inspirierten Kleider, Plisseeröcke und Hemden bilden da keine Ausnahme. Die Farben changieren zwischen sanftem Taubenblau, Grau und Tennisplatz-Grün. Dazu passend kann man sich auch gleich den ersten Duft ‚No1‘ des Designers kaufen, der diese Woche gelauncht wurde.

©Hien Le

©Hien Le

Nicht verwunderlich ist, dass man auch bei den beiden Berlin-Darlings Lala Berlin und MalaikaRaiss tolle Mode für den Alltag fand. Besonders Leyla Piedayesh ist aus dem Berliner Schauenkalender und den Kleiderschränken von hier bis Hollywood nicht mehr wegzudenken. Inspirationquelle für ihre Kollektion war die Architektur. Helles Blau, Weiß und Gelb dominierten die textilgewordene Vereinigung von Orient und Okzident.

Malaikaraiss ©Adam Berry/Getty Images for IMG

Malaikaraiss ©Adam Berry/Getty Images for IMG

Auch Malaika Raiss versteht es, Lieblinge zu kreieren, die man jeden Tag tragen möchte: Hosen mit maskulinem Chic, wadenlange Röcke (ohne Matronencharakter) und hüftlange Jacken funktionieren ebenso gut wie die asymmetrischen Kleider und lange, offen getragene Hemden. Farblich bleibt sich MalaikaRaiss treu; Blau, Rosa und Weiß bestimmen die Entwürfe. Neu im Angebot: Sonnenbrillen!

Wenn einer eine Reise tut…
…bringt er oft genug Inspiration für eine ganze Kollektion mit. Auch auf der Fashion Week hätten wir den Globus wieder auspacken können. Newcomer William Fan fasst seine Entwürfe unter dem Titel „Welcome to Jade Garden“ zusammen. Der Designer chinesischer Herkunft schuf eine zurückhaltend-elegante Silhouette, die leger wirkt. In allen Modellen findet man einen Hinweis auf die asiatische Heimat. Besonders edel wirken die Brokatstoffe, die Fan u. a. für Anzüge verwendet hat. Abgerundet wurde die Kollektion mit flachen Schuhen und Schmuck aus Jade.

William Fan ©Zak Kaczmarek/Getty Images for IMG

William Fan ©Zak Kaczmarek/Getty Images for IMG

Den Reisepass im Gepäck sollte Frau auch bei Holy Ghost haben. Auf Perserteppichen schritten die Models über den Runway, der in spektakulärer Kulisse des ‚Haubentaucher‘ aufgebaut war. Sowohl für Großstadtprinzessinnen als auch Wüstenköniginnen gab es marokkanisch geprägte Kaftane und Jumpsuits zu bestaunen.

Holy Ghost ©Zak Kaczmarek/Getty Images for IMG

Holy Ghost ©Zak Kaczmarek/Getty Images for IMG

Bei Barre Noire konnte man den allerbesten Show-Auftakt erleben: Eine coole Tanzeinlage (u. a. von Nikeata Thompson) brachte das Publikum enorm in Stimmung. Dazu passten die Palmenprints, Wildleder mit messerscharfen Cut-outs und die lässige Schnittführung. Crop Tops sah man ebenso wie Culottes, kastige Oberteile und weite Hosen. Das hat uns besonders viel Lust auf den kommenden Sommer gemacht!

Barre Noire ©Peter Michael Dills/ Getty Images for IMG

Barre Noire ©Peter Michael Dills/ Getty Images for IMG

Eine, mit der man selbst auch gern mal verreisen würde, ist Lena Hoschek. Dieses Mal entführte die Österreicherin die Modewelt in die Provence der 50er-Jahre. Die Schnittführung blieb klar diesem Jahrzehnt treu, aber es gab auch diese wunderbaren langen Kleider, die an Schäferinnen erinnern und sehr pastoral wirken. Ungewohnt waren die asymmetrischen Ausschnitte. Ein Druck stammt von Hoschek selbst, die sich selbst als ‚Stoff-Trüffelschwein‘ bezeichnet. Der große Knaller, der im Kopf blieb, hat diese Mal leider gefehlt, aber es ist ein zauberhaftes Gesamtwerk, dass durch noch schönere Accessoires abgerundet wurde.

Lena Hoschek ©Peter Michael Dills/Getty Images for IMG

Lena Hoschek ©Peter Michael Dills/Getty Images for IMG

Festivalstimmung
Sommerzeit ist Partyzeit. Da liegt es nahe, die passende Kleidung zu liefern. Sowohl Marc Cain als auch Dimitri entführten in die Festivalzeit. Bei Ersterem sah man gekreppte Haare, ein Trend, den man auch gut weglassen könnte, Schlaghosen und Gehäkeltes. Dimitri fügt dem Ganzen eine rockige Attitüde hinzu, normalerweise steht die Marke für sehr glamouröse Abendkleider. Bestickte Westen, Gürtel und der Einsatz von Leder geben dem Ganzen eine markante Note und lassen sofort an Coachella und Co. denken.

Dimitri ©Peter Michael Dills/Getty Images for IMG

Dimitri ©Peter Michael Dills/Getty Images for IMG

Zarte Versuchung
Die zwei (subjektiv) schönsten Kollektionen kommen vom Duo Perred Schaad und Marina Hoermanseder. Johanna Perret and Tutia Schaad schufen eine leichte und elegante Kollektion, die perfekt für den Sommer passt. Zarte Streifen verbinden sich mit kräftigeren Farben und soften Tönen zu perfekten Outfits. Highlight: das gestreifte Kleid. Die Gürtelschnalle ist nur ein Erkennungsmerkmal von Marina Hoermanseder. Ihr Interesse an Orthopädie und geformten Leder ist unverkennbar – passt sich jedoch immer auch den gemütlichen Teilen der Kollektion an. Dieses Mal zu sehen an romantisch-verspielten Blumenkleidern.

Marina Hoermanseder ©Zak Kaczmarek/Getty Images for IMG

Marina Hoermanseder ©Zak Kaczmarek/Getty Images for IMG

Kurz notiert: Pailletten wurden wieder gesichtet, u. a. bei Guido Maria Kretschmer. Dorothee Schumacher zeigte Cut-outs an den Schultern, Eva Lutz von Minx Figurenvielfalt und die Salonshow vom Greenshowroom, dass auch grüne Mode echt gut sein kann.

Guido Maria Kretschmer ©Frazer Harrison/Getty Images for IMG

Guido Maria Kretschmer ©Frazer Harrison/Getty Images for IMG

Wir freuen uns schon auf das nächste Mal!